Schriftsteller Peter Kurzeck gestorben

26. November 2013, 18:28
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Der Autor von Werken wie "Oktober und wer wir selbst sind" oder "Mein Bahnhofsviertel" wurde mehrfach ausgezeichnet

Wien - Als "deutschen Proust" hat man Peter Kurzeck bezeichnet. In Deutschland kam der Dreijährige 1946 an, in Begleitung der Mutter und der älteren Schwester. Staufenberg im Bezirk Gießen (Hessen) wurde den aus Böhmen vertriebenen Kurzecks zur neuen Heimat.

Aus dem Prozess der Neuverwurzelung hat Kurzeck ein Erzählprojekt abgeleitet. Auf zwölf Bände war die Chronik Das alte Jahrhundert angelegt. Begonnen hatte sie der meisterhafte Stilist mit Übers Eis (1997). Fünf Teilergebnisse hat Kurzeck bis zu seinem Tod geliefert. Wie Schlingen reihen sich die Sätze im Erzählkosmos dieses eigensinnigen Riesen aneinander.

Die Musikalität von Kurzecks Sprache nahm es mit jedem Beschreibungsgegenstand auf. Mit feinem Sensorium registrierte der Autor die Verwerfungen in der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Oft genug gab es Verluste zu beklagen. Der Kapitalismus trieb auch dem oberhessischen Landstrich die Beschaulichkeit aus. Kurzeck erinnerte an die Kleinbauern, die Oberdorfwitwen, die Gießereiarbeiter. Und auch das Sterben der Igel blieb nicht unregistriert.

Mit der mündlichen Erzählung Ein Sommer, der bleibt lieferte Kurzeck das "Hörbuch des Jahres 2008" ab. Seine rhapsodische Kunst wurde u. a. mit dem Alfred-Döblin-Preis geehrt. Jetzt ist Peter Kurzeck 70-jährig nach einer Reihe von Schlaganfällen gestorben. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 27.11.2013)

  • War der rhapsodische Sänger Hessens: Peter Kurzeck.
    foto: liberal freemason, creative commons

    War der rhapsodische Sänger Hessens: Peter Kurzeck.

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