Thermisch saniert

25. November 2013, 16:44
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Diese Art von schnell aneinander gereihtem Fast-Food-Humor zum Thema Hüftgold bis zum Halse sättigte rasch

Es ist wie es ist. Viele gute Witze gehen auf Kosten von Mitmenschen, die sich nicht oder nur schlecht wehren können. Das wird so lange so bleiben, wie der Mensch gemein und böse ist. Wir müssen uns also daran gewöhnen. Beleibte, Dicke, Fette oder - wie wir politisch Korrekten sagen - thermisch Sanierte, waren seit jeher Opfer von Spott und Hohn. Auf Comedy Central drehen diese nun den Spieß um.

Am Sonntagabend lief die erste Folge von "Fat for Fun". Nach dem Prinzip der versteckten Kamera wurden schlanke Mitbürger von sechs Fetten in Situationen gebracht, die normalerweise eher den Dicken passieren. Beispiel: Eine Dicke sprach auf der Straße eine ihr entgegenkommenden dünne junge Frau an: "He, wann hast du eigentlich aufgehört auf deinen Körper zu achten? Lass dich nicht so gehen!"

Billig aber wirkungsvoll. Wobei derlei Frontalangriffe die Humorspitzen des Formats stellten. Berechenbar bis unwitzig waren jene Sketches, in denen darauf gebaut wurde, dass Dünne Zeugen von Gesprächen Dicker wurden, in denen sie ihre Leibesfülle in absurder Weise thematisierten. Verlegen grinsende Teenager als "Opfer" derlei Humors sind eben nicht so wahnsinnig unterhaltsam.

Diese Art von schnell aneinander gereihtem Fast-Food-Humor zum Thema Hüftgold bis zum Halse sättigte rasch. So stellte sich nach spätestens zwanzig Minuten ein Völlegefühl ein, das kein Kalauer mehr beseitigen konnte. Letztlich blieb der Witz ja brav im sittsamen Bereich, schließlich bilden die Dicken ja buchstäblich zunehmend das, was wir gesellschaftliche Mitte nennen. Mit der will man es sich nicht verscherzen. (Karl Fluch, DER STANDARD, 26.11.2013)

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