In den Untergrund gespült

25. November 2013, 20:24
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"Secession" heißt Tobias Pils' Personale in ebendiesem Haus. Trotz eindeutiger Referenzen spielt er lieber mit Techniken des Verunklarens

Wien - Eigentlich hatte Tobias Pils sich vorgenommen, sagt er, nicht auf den Raum Bezug zu nehmen. Aber dann kam eben doch alles anders: Schuld ist das Foyer der Secession, das ursprünglich als Ort der "Reinigung" konzipiert wurde. Die Waschung des von der Verderbtheit der Welt Schmutzigen passt zur Vorstellung des Museums als Kathedrale und zur Auratisierung der Kunst, aber eben nicht mehr zum zeitgemäßen Kunstbegriff. Und so macht sich Pils einen Jux daraus, die stilisierten Wellen auf den Originalbodenkacheln zu einer Art Abfluss anschwellen zu lassen, der - geradewegs am heiligen Hauptraum vorbei - hinab in den Keller spült.

Auch Tobias Pils (geb. 1971 in Linz) verwendet für diesen Tunnel Keramik, ein in der bildenden Kunst heute eher als "uncool" verschrienes Material, kleidet jedoch mit den Fliesen den ganzen Raum der Treppe, inklusive Decke, aus. So schafft er eine unterkühlte Atmosphäre, die an die tatsächlich in den Untergrund führende New Yorker Subway erinnert. Pils' Fliesen sind allerdings grob und die Wellen auf der Keramik nicht ornamental, sondern wild und gestisch, sodass die Assoziation mit Graffito und Kritzeleien in urbanen Transitzonen naheliegt. Eine fantastische, ironische Ouvertüre in zwei Bildern - Foyer und Treppe -, die es dem folgenden Werkzyklus schwermacht.

Auch hier nutzt Pils seine Arbeiten, um den Raum "total einzukleiden". Passgenau - oder eher "wie ein zu knapp sitzender Maßanzug" (Pils) - fügen sich die Leinwände in die Wandfelder. Deren Inhalte sind jedoch eher unklarer Natur: Zu erkennen sind ornamentale Elemente, die sich übereinanderlegen, sexuell Konnotiertes, vom Formwillen befreite Linien. Pils interessiert das Geheimnis, die Irritation. Kunst sei dann gut, wenn sie sich einer Funktion entzieht. Am zufriedensten sei er, so Pils, wenn er morgens ins Atelier käme und ihm die eigene Malerei fremd erscheine. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 26.11.2013)

Secession, Friedrichstraße 12, 1010 Wien, bis 19.1.

  • Ein Tunnel wie ein Schlund zieht den Besucher ins Untergeschoß der Secession: Künstler Tobias Pils gestaltete den Wellenstrom. 
    foto: jorit aust

    Ein Tunnel wie ein Schlund zieht den Besucher ins Untergeschoß der Secession: Künstler Tobias Pils gestaltete den Wellenstrom. 

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