Lauf-Schichtbetrieb in die Therme

Ansichtssache28. November 2013, 05:30
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Der Satz ist abgeschmackt, aber nichtsdestotrotz wahr: Darüber, ob es kein schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Ausrüstung gibt, bin ich beim Motorradfahren zwar diskussionsbereit - beim Laufen jedoch nicht. Denn wer will, der kann.

Klar, - und um ein paar der üblichen Verdächtigen das Postingschreiben zu ersparen - es geht immer auch Superoldschool. Und all das moderne Zeug braucht man nicht. Schließlich hat man früher ja auch überlebt, ohne sich mit Goretex-Folierung, Merino-Leiberln oder Windstopper-Membarn ins Freie zu schmeißen.

Weiß ich eh. Und finde es auch bewundernswert - nicht nur beim Laufen: Als ich im Sommer des Vorjahres vom Großglockner in die Gegend gaffte, traf am Gipfel noch eine andere Seilschaft der gemeinsamen Stern- und 150-Jahre-Kletterei von Alpenverein und einem Schweizer Outdoorkonzern ein.

Fell um die Hüften

Während wir die zweitägige Weichei-Route genommen hatten, waren diese harten Hunde und Hündinnen nonstop aus Matrei auf den Hügel  gekraxelt - und zwar in Originaloutfits von vor 150 Jahren: Loden. Wolle. Leder. Die Frauen trugen bodenlange Röcke. Wow! Respekt. Bloß bei der Sicherheit war man lieber nicht von gestern: Seile, Karabiner, Steigeisen & Co entsprachen dem Stand der Technik. Der heutigen.

Und - nochmal: Klar, was am Berg geht, ist im flachen Land noch leichter möglich. Bloß: Wozu? Ich gehöre zu jenen Läufern, die sich lieber wohlfühlen, als irgendwem zu beweisen, wie autonom von Technik und Zeitgeist sie unterwegs sind. Außerdem: Genau genommen ist auch das Lauf-Outfit, das Puristen predigen, vor 10, 20 oder 50 Jahren State-of-the-Art gewesen. Darum postuliere ich: Nur wer gerade einmal ein Fell um die Hüften trägt, darf anderen in Sachen Outfit-Schnickschnack und Funktionswäsche erklären, dass all das unnötig bis dekadent ist, einzig der Kommerzialisierung von Sport das Wort spricht und jeder Idee von Bewegung im Freien widerspricht.

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foto: thomas rottenberg

Klaus Hofmann ließ uns keine Chance. Denn eigentlich war der Kurztrip in die St. Martins Therme nur als Wohlfühl-Faulenzaufenthalt angedacht gewesen. Als letzter Endorphin-Tankstopp bevor Kaltnassgrau und Weihnachtswahnsinn uns nur noch am Zahnfleisch dem Jahresende entgegen kriechen lassen. Aber beim Check-In fing uns der Hoteldirektor ab, sagte "Hallo" - und fragte, ob wir eh Laufsachen mit hätten. Das Wetter sei nämlich nicht "wäh", sondern super. "Ideales Thermenwetter" schönfärbelte Hofmann das Grau. "Laufen", setzte er nach, "ist jetzt super. Sie werden schon sehen!"

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