Beastie Boys verstehen bei "Girls" keinen Spaß

26. November 2013, 07:00
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Eine Spielzeugfirma textete für ein Werbevideo den sexistischen Text des alten Beastie-Boys-Songs "Girls" um - Den Musikern gefällt das nicht

Die Beastie Boys gegen kleine Mädchen, die motiviert werden sollen, später einmal in die Männerdomäne der technischen Berufe vorzudringen. Ein schräges Bild, das die berühmten Hip-Hopper einige Sympathiepunkte kosten könnte. Grund für den Copyright-Ärger der Musiker ist ein Werbevideo der Firma "Goldie Blox", die Spielzeug für Mädchen herstellt, das Interesse für Technik fördern soll. In diesem Video trällern Mädchen zur Musik von "Girls", dem Song der Beastie Boys aus dem Jahre 1987. Außer dem Refrain wurde der Originaltext für das Promotionvideo völlig verändert: "Girls - to build the spacehip", "Girls - to code the new app", "Girls - to grow up knowing" wird da gesungen, während im Video gezeigt wird, wie sich die Kleinen ihren Spielwerkzeuggürtel, Schutzbrille und Helm schnappen und sich an ihre selbstgebauten Konstruktionen machen.

Für den Originaltext hatten sich die Beastie Boys offiziell im Nachhinein immer etwas geniert, auch haben sie ihn nie live zum Besten gegeben. Angesichts von Songzeilen wie "Girls - to do the dishes", "Girls - to clean up my room" oder "Girls - to do the laundry" eine gute Entscheidung. Vielleicht war dieser Song im Jahre 1987 ja der Versuch, ein weißes College-Boys-Image weit von sich zu weisen und zu beweisen, dass sie auch harte Jungs sind, die in die Hip-Hop-Szene passen.

Copyright-Augen zudrücken

Die Anbiederung an Hip-Hop-Klischees haben die anerkannten Musiker schon lange nicht mehr nötig. Auch könnte man einwenden, dass es weitaus sinnlosere kommerzielle Produkte gibt, als das, für die der Songtext umgestaltet wurde. Mädchen mit Spielzeug für Technik zu begeistern - dafür die Copyright-Augen zuzudrücken wäre doch die Gelegenheit gewesen, Distanz zwischen den plumpen Sexismus-Schnitzer von damals und ihr aktuelles und progressiveres Weltbild zu bringen. Immerhin ist Beastie Boy Adam Horowitz seit Jahren mit der Riot-Grrrl-Ikone Kathleen Hanna liiert.

Die Firma "Goldie Blox" will jedenfalls an ihrem Promotionvideo festhalten und argumentiert damit, dass in den Original-Lyrics die beschränkenden Vorstellungen davon, was Mädchen zu tun hätten, voll zum Tragen kommen: "Im Text der Beastie Boys sind junge Frauen lediglich dafür da, Dinge im Haushalt zu erledigen und die Wünsche von Männern zu erfüllen." Die Goldie Blox "Girls"-Parodie wolle genau diese Vorstellung entkräften und die vielfältigen Fähigkeiten von Mädchen feiern, heißt es von Seiten der Firma. 

Reaktionen der Beastie Boys

Nachdem das Video von "Goldie Blox" millionenfach angesehen wurde und die Berichte über die Copyright-Verletzung viel Aufmerksamkeit auf sich zog, reagierte die Band am Montag mit einem offenen Brief. In diesem betonen sie, dass sie keine Klage eingereicht haben, die Nutzung ihrer Musik für eine Werbung für den Verkauf eines Produktes aber unzulässig sei. "Wir unterstützen die Selbstermächtigung von Mädchen und dass Geschlechterrollen aufgebrochen werden", so die Musiker in dem Brief. Obwohl "Goldie Blox" nicht bei der Band nachgefragt hätte, ob eine Verwendung möglich sei, hätte die Firma nun die Beastie Boys mit einer Klage, das Video weiter zeigen zu dürfen, konfrontiert.

"Goldie Blox" verteidigt sich indessen, dass die Band sie mit der Copyright-Verletzung bedroht hätte. Zudem sehen sie den Zweck des Videos in erster Linie als Parodie und Kommentar auf den Beastie Boys Song und damit nicht im Verkauf eines Produktes. (beaha, dieStandard.at, 26.11.2013)

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GoldieBlox

 

  • Helm, Schutzbrille und "Girls", die mehr tun wollen, als die Originalversion der Beastie Boys für sie vorsieht.
    foto: screenshot video glory blox

    Helm, Schutzbrille und "Girls", die mehr tun wollen, als die Originalversion der Beastie Boys für sie vorsieht.

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