Shopping-Diät: Altmodisch glücklich

12. Jänner 2014, 19:05
12 Postings

Nunu Kaller war süchtig nach Mode und verordnete sich selbst eine 365-tägige Konsum-Abstinenz - Ihre Erfahrungen sind nun im Taschenbuchformat erschienen

Die fortgeschrittenen Industrieländer, "hängen am Wirtschaftswachstum wie Alkoholiker an der Flasche oder Drogensüchtige an der Nadel", meint der deutsche Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel. Es überrascht daher nicht, dass politische und wirtschaftliche Eliten das Dogma vom grenzenlosen Wachstum nach wie vor als seligmachendes Mantra gegen Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit verkaufen. - Und Wachstum meint hier vor allem eines: Kaufen, kaufen, kaufen, möglichst viel und oft. Wie das geht, lebt die Modebranche mit ihren kurzlebigen Trends vor. Kleidung als Statussymbol, Attraktivitätsmerkmal und sichtbares Statement zur Eigenvermarktung und Selbstoptimierung - denn Mode bietet die Möglichkeit sich als derjenige darzustellen, der man immer schon sein wollte.

Alternative Modeschau

Für so manchen Shopaholic wird das Leben in der Ramschgesellschaft aber zum Existenzrisiko. Und auch Nunu Kaller weiß davon zu berichten: Da ein Rock, dort ein T-Shirt, hier eine Hose - vorzugsweise vom Textilschweden oder anderen Billigmarken. Letztendlich wuchs das Minus am Konto ebenso wie der Kleiderberg. Konsum als Ersatzbefriedigung, die sich nach und nach zu einem "veritablen Konsum-Knall" verselbständigte. Ihr Ausweg aus der modischen Sackgasse: Eine Radikal-Kur mit einer 365 Tage dauernden Shopping-Diät. Dokumentiert in einem Blog und nun auch im Taschenbuchformat.

Streckenweise unterhaltsam, manchmal nur mäßig originell, um nicht zu sagen redundant, gerät die Selbstbeschau der temporären Konsum-Verweigerin. Das Buch ist aber nicht nur ein weiterer idealtypischer Beitrag der Kategorie "Selbstvermarktungs-Ratgeber", sondern mitunter auch hilfreich. - Etwa, wenn der Fokus auf die Strategien der Ersatzbefriedigung (wie Kleidertauschparties, aufkeimende Strickmanie), die Problematisierung der Baumwollproduktion, die prekären Arbeitsbedingungen in Bangladesch, China sowie Teilen Afrikas und die ökosozialen Alternativen gelegt wird.

"Geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut": Diese Floskel war noch nie so falsch wie heute - das zeigt auch Nunu Kallers Plädoyer für bewusstes Modeshopping. Bleibt zu hoffen, dass die unverbesserliche Optimistin Recht behält: Womöglich wird das 21. Jahrhundert tatsächlich als Epoche der Nachhaltigkeit in die Geschichtsbücher eingehen. (gueb, derStandard.at, 12.1.2014)

 derStandard.at/Lifestyle verlost drei Exemplare von "Ich kauf nix! Wie ich durch Shopping-Diät glücklich wurde".

Das Gewinnspiel ist bereits abgelaufen!

  • Nunu KallerIch kauf nix! Wie ich durch Shopping-Diät glücklich wurdeKiepenheuer & WitschISBN: 978-3-462-04589-5272 Seiten; 9,30 Euro
    foto: kiwi

    Nunu Kaller
    Ich kauf nix! Wie ich durch Shopping-Diät glücklich wurde
    Kiepenheuer & Witsch
    ISBN: 978-3-462-04589-5
    272 Seiten; 9,30 Euro

Share if you care.