Flughafen Wien will raus aus Auslandsgeschäft

24. November 2013, 18:10
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Die Beteiligung am Airport Friedrichshafen steht zum Verkauf. In Malta und Kosice sind den Wienern vertraglich (noch) die Hände gebunden

Wien - Der Wiener Flughafen zieht die Konsequenzen aus den mehrheitlich Verluste bringenden ausländischen Beteiligungen und sucht Käufer. Das kündigte Flughafen-Vorstand Julian Jäger im Gespräch mit dem Standard an. Im Aufsichtsrat wurde der Beschluss gefasst, im Ausland nicht mehr zu investieren.

Für Malta und Kosice werden "alle Optionen geprüft", weil die Wiener in beiden Fällen bei Verkäufen Auflagen erfüllen müssen: In Malta - die einzig erfolgreiche Beteiligung - sei man vertraglich bis 2017 gebunden. Sollte sich ernsthaft jemand interessieren, müsste man versuchen, diese Bindung wegzuverhandeln, sagte ein Involvierter. In Kosice wiederum muss die slowakische Regierung dem Verkauf zustimmen.

Die Beteiligung in Kosice erfüllte nicht die Erwartungen: Der Einstieg erfolgte 2006, in Summe hat der Wiener Flughafen hier 40 Mio. Euro inklusive Kaufpreis investiert. 2011 wurde die Beteiligung (die Wiener halten 66 Prozent) um 13,7 Mio. Euro wertberichtigt. Die Passagierzahlen sind stetig rückläufig.

Aktive Käufer-Suche

Aktiv sucht der Wiener Flughafen einen Käufer für die 25-prozentige Beteiligung am Flughafen Friedrichshafen (Deutschland). Der Einstieg war 2007 für 7,7 Mio. Euro erfolgt. 2011 wurde die Beteiligung zur Gänze abgeschrieben. Die 2007 gegründete Projektgesellschaft in Indien wurde mittlerweile begraben.

Einziger Lichtblick war und ist Malta: Die Wiener halten dort durchgerechnet 33 Prozent, haben aber einen beherrschenden Einfluss und stellen den Geschäftsführer. Seit 2002 wurden inklusive Kaufpreis 53 Mio. Euro investiert. Malta verzeichnet ständige Passagierzuwächse. Der Ergebnisbeitrag für die Wiener lag im Vorjahr bei 4,2 Mio. Euro.

Zu den Verlusten bei Kosice und Friedrichshafen kommen sündhaft teure Berater und Anwaltskosten für diverse Angebote, bei denen der Flughafen Wien nicht zum Zug kam. So geschehen bei der Privatisierung der Airports von Odessa, St. Petersburg und Antalya. Am teuersten kam den Wienern freilich die Bewerbung für den Flughafen Bratislava. Hier wurde 2006 der Zuschlag erteilt. Bevor die Wiener noch loslegen konnten, wechselte die Regierung, und der Zuschlag wurde wieder entzogen. Das geschah damals unter dem Linkspolitiker Robert Fico, der auch heute Regierungschef ist.

Verluste ohne Ende

In Bratislava ist den Wienern einiges erspart geblieben: Das Konsortium TwoOne hätte mehrere Hundert Millionen Euro investiert - so wie es derzeit aussieht, wird der Airport noch bis 2015 Verluste schreiben. Dessen ungeachtet interessieren sich die Wiener dafür, den nur 50 km entfernten Flughafen Bratislava zu betreiben.

Die Entscheidung, nicht mehr im Ausland zu investieren, sei auch unter dem Aspekt zu sehen, dass "wir wenig realistische Chancen haben, bei anstehenden Privatisierungen zum Zug zu kommen", betonte Jäger: Aber niemand ersetze einem die Kosten für die Bewerbung.

Und für derartige Berater- und Anwaltskosten hat der Wiener Flughafen in der Vergangenheit bereits genug ausgegeben: Die Zahlungen für alle fehlgeschlagenen Bewerbungen an sogenannte Experten lagen bei kolportierten 3,5 Mio. Euro.

"Wir haben in Wien genug Probleme und müssen uns auf den Standort konzentrieren", sagt Jäger und verweist auf das vorrangige Ziel des Schuldenabbaus: Derzeit sind es etwa 639 Mio. Euro, 2011 waren es noch 780 Mio. Euro. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 25.11.2013)

  • Auf dem Wiener Flughafen gäbe es genug zu tun, daher wolle man sich im Ausland nicht mehr beteiligen, sagte der Vorstand. Vorrangiges Ziel sei der Schuldenabbau.
    foto: christian fische

    Auf dem Wiener Flughafen gäbe es genug zu tun, daher wolle man sich im Ausland nicht mehr beteiligen, sagte der Vorstand. Vorrangiges Ziel sei der Schuldenabbau.

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