Muschi-Obst für Arschpatienten

22. November 2013, 19:25
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(Un)mädchenhaftes Treiben in der Garage X: Charlotte Roches "Feuchtgebiete" als österreichische Erstaufführung

Wien - Charlotte Roches Bestseller Feuchtgebiete ist auf der Verwertbarkeitsliste weitergerückt in Richtung Theater. Die nassforsche Introspektion einer schelmisch-hemmungslosen Selbsterfahrungspraktikantin erstreckt sich derzeit über die Bühne der Garage X. Für alles, was so ein Vagina-Monolog beinhalten kann - Tropfen-, Flecken-, gar Pfützenerlebnisse, Pilzbefall und Tamponexperimente -, findet Regisseurin Angelika Zacek bei dieser Österreich-Premiere eine bildliche Entsprechung. Muschi-Obst aller Art ist auch dabei (auf Video).

Drei junge Frauen teilen sich das Feuchtgebiet. Nina Horvath, Nicola Schößler und Anna Franziska Srna schlecken Joghurt (als Smegma) vom Finger, drücken ihre nackten Pobacken auf Papier oder wickeln sich in Mullbandagen ein, um dann als Ganzkörpertampon herumzuliegen.

Zur Erinnerung: Roches achtzehnjährige Heldin Helen hütet nach einer unglücklich verlaufenen Analrasur samt Hämorrhoidenpein das Krankenhausbett und sinniert dort ausführlich über ihre gesammelten Erkundungen den Unterleib betreffend. Mit Gewissheit ist das ein Beitrag zur Aufklärung und Entkrampfung. Wer sich nicht (mehr) so intensiv für den eigenen Körper interessiert, den könnte allerdings in den nur siebzig Minuten Spielzeit ein Redundanzgefühl ereilen.

Lustige Masturbationslieder sorgen zwar für stimmungsvolle Beschallung, auch der schnöde Tonfall ("Arschpatienten") hat seinen Reiz. Doch es bleibt vor dem sich im Regal auftürmenden Gebirge an Trockentupftüchern und Desinfektionsspraydosen (Ausstattung: Renato Uz) eine bescheidene Szenerie.

Angelika Zacek und Hannah Lioba Egenolf haben den 220 Seiten starken Roman gut eingekürzt, meist wird das Gesagte dann jedoch bildlich einfach nur noch verdoppelt (blutige Tampons ins Nasenloch stecken) und mit dem Gleitmittel Musik (Nick Cave) fest eingeschleimt. Diese aseptische, anatomisch-analytische Litanei ist eine harmlose Form des "In-your-face"-Theaters. In den 1990er-Jahren hatten ProtagonistInnen den A(llerwertesten) ganz anders offen. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 23.11.2013) 

Bis 30.1.

  • Ein "Feuchtgebiet" mit Trockentupfdepot: Anna Franziska Srna, Nicola Schößler, Nina Horvath (v. li.).
    foto: yasmina haddad

    Ein "Feuchtgebiet" mit Trockentupfdepot: Anna Franziska Srna, Nicola Schößler, Nina Horvath (v. li.).

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