Strategien statt Tagesgeschäften

20. Jänner 2004, 19:59
1 Posting

Mateschitz gibt operative Führung ab - Red-Bull-Verkäufe steigen weiter

Flemming Sundø (51) ist Däne, ehemaliger Kellog's-Spitzenmanager und wird ab 1. September Dietrich Mateschitz das operative Tagesgeschäft bei Red Bull abnehmen. Von Rückzug sei keine Rede, heißt es aus dem Umfeld des charismatischen Eigners, deswegen bekomme Sundø den Titel Chief Operating Officer (COO). Mateschitz behält den Titel Chief Executive Officer (CEO) noch für mindestens sieben Jahre, weil dies auch im Gesellschaftervertrag mit seinen thailändischen Partnern so vorgesehen ist: Chaleo und Chalerm Yoovidhya, Vater und Sohn, Industrielle und eine der reichsten Familien des Landes, halten gemeinsam 51 Prozent an Red Bull, 49 Prozent gehören Mateschitz.

"Mr. Red Bull" wird sich künftig strategischen Aufgaben widmen - dazu gehören der Hangar, die Rennstrecke oder künftige andere Beteiligungen ebenso dazu wie neue Produkte.

Das bestens eingeführte Produkt, der Energy Drink, hat im 16. Jahr seiner kohlensäurehaltigen Existenz (die thailändische Vorlage "Krating Daeng" ist blubberfrei), nach wie vor Wachstumsraten zu verzeichnen. Dies, obwohl einer der wichtigsten Märkte, nämlich Deutschland, dank des Dosenpfands eingebrochen ist - um ein Drittel im ersten Halbjahr. Dem Vernehmen nach arbeitet Red Bull aber an einem eigenen Rücknahmesystem, Mehrwegflaschen kommen nicht in Frage.

Die USA, Großbritannien und andere Märkte machen des Ausfall aber mehr als wett. Laut Norbert Kraihamer, der rechten Hand von Mateschitz im Konzern, sei für heuer ein Wachstum von 15 Prozent geplant gewesen, man liege aber derzeit um mehr als zwei Prozentpunkte darüber. In absoluten Zahlen: Red Bull wird bis Jahresende weltweit 1,5 Milliarden Dosen verkauft haben.

Reinvestiert wird in Marketing, vor allem Sportsponsoring: Red Bull unterstützt 480 Sportler, darunter 60 Österreicher, die meisten "extrem". Ende Juli erregte Felix Baumgartner Aufmerksamkeit, als er mit Flügeln ohne Motor den Ärmelkanal überflog. Es geht aber auch "klassisch": Zuletzt wurde ein Deal mit Schwimmerin Mirna Jukic fixiert. (Leo Szemeliker, Der Standard, Printausgabe, 09.08.2003)

Share if you care.