"Unser Markt ist die Welt"

31. Jänner 2004, 22:40
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Der 58-jährige Steirer Dietrich Mateschitz hat mit Red Bull eines der weltweit erfolgreichsten Getränke kreiert - Vom Tagesgeschäft befreit, widmet sich Dietrich Mateschitz nun anderen Projekten zu

Zeus ist ein "Eurofighter". Die Kopfgeburt seiner Tochter Pallas Athene findet statt, indem eine Schauspielerin/Tänzerin per Kran aus dem Cockpit des Kampfjets gehoben wird und mit einer langen, weißen Nabelschnur davonfliegt. Das Ganze heißt "Taurus Rubens", nennt sich "Flugtheater" und wird mit viel Technik und Getöse am 22. August vor dem neu erbauten Hangar 7 des Salzburger Flughafens aufgeführt. Außerdem wird das "Helikopter-Quartetts" von Karlheinz Stockhausen für vier Blackhawk-Hubschrauber und Streicher aufgeführt - als Produktion der Salzburger Festspiele, powered by Dietrich Mateschitz. "Ich bin ein Marketing-Mann", sagt er von sich im STANDARD-Interview.

Marketing, äußerlich total locker, mit Beachvolleyball-Turnieren, Airshows, Stuntmen und -women, mit steilen Fluggeräten, Arnie Schwarzenegger usw., aber mit großer Konsequenz und innerer Disziplin. Das hat ein relativ einfaches Produkt - ein zusammengemixter Energydrink namens Red Bull - zu einer global erfolgreichen Marke gemacht, einer der ganz wenigen, die aus Österreich kommen. Mateschitz ist ein großer, athletischer Steirer von 58 Jahren, der fast nur Jeans, Poloshirts und einen weißen Stoppelbart trägt: "Ich bin ein Nonkonformist, niemals elitär." Er ist sehr höflich, freundlich, total easy. Mit den meist jungen Leuten in seiner Firma geht er freundschaftlich um. Aber man merkt bald das vorherrschende Prinzip: Kontrolle, Kontrolle über die Marke. Es wird kein Foto freigegeben, auf dem die Schweißflecken auf Mateschitz' Polohemd zu sehen sind.

Global Player

Mateschitz sieht sich als Global Player. "Es gibt nur einen Markt, das ist die Welt. Wir haben vor 15 Jahren ganz ohne Tradition angefangen. Von der Stunde Null an haben wir die globale Positionierung gesucht - globale Markenphilosophie, globales Preisgefüge, globale Medienpläne. Österreichische Traditionsbetriebe haben sich schon als Pioniere gefühlt, wenn sie nach Deutschland gegangen sind. Vielleicht ist das der Grund, warum Österreich so wenige Weltmarken hat".

Das Gespräch mit Mateschitz findet in einem brutheißen Container neben der Baustelle des Hangar 7 statt, der kein einfacher Flugzeughangar wird, sondern "eine unglaubliche neue Event-Location" (Mateschitz). Die Stahl-Glas-Konstruktion des Salzburger Architekten Volkmar Burgstaller ist wie der Querschnitt einer Flugzeugtragfläche geformt. Sie wird die Red-Bull-Sammlung historischer Flugzeuge beherbergen, außerdem ein Spitzenrestaurant, eine Bar und diverse Ausstellungsflächen. Ein Themenpark, der sich selbst finanzieren soll (für die etwa 2000 geladenen Gäste des Eröffnungsspektakel werden 500 Euro pro Person verlangt, die karitativen Zwecken zufließen).

Fliegerei

Die Fliegerei sieht Mateschitz weniger mythisch: "Das passt ja zusammen mit unserem Slogan ,Red Bull verleiht Flügel'." Er selbst lernte erst mit 38 fliegen, also ziemlich spät, er kann Einmotorige und den Firmenjet steuern. Die Prunkstücke, wie den US-Jagdbomber "Corsair" und den Bomber B-25 "Mitchell" , beide aus dem Zweiten Weltkrieg, kann nur der Hauspilot und Veteran Sigi Angerer meistern. Dass beides Kampfflugzeuge sind, hat keine Bedeutung für Mateschitz. In der B-25 hat er sich vorne in der Plexiglaskanzel, wo früher der Maschinengewehrschütze saß, eine bequeme Sitzbank einbauen lassen: "Da zieht die Welt unter mir vorbei."

Jetzt werden also die Salzburger Festspiele gesponsert, Hochkultur. Falsch, sagt Mateschitz, Red Bull sponsert nicht: "Wir sind integriert in das Geschehen, wir kommen nicht von außen herein. Wir sind es, die es machen - bei allen Events." Prinzip Kontrolle.

Er hat jetzt den A1-Ring gekauft und will dort mit "anderen Rittern der Tafelrunde" (Eurofighter-EADS, Audi-VW, Magna) eine Menge investieren. Das Gebäude macht der unkonventionelle Architekt Günther Domenig. Für den Hangar 7 gibt es inzwischen schon jede Menge Anfragen für Veranstaltungen. Parteiveranstaltungen wird Mateschitz dort aber nicht zulassen: "Wir dürfen als Marke nicht politisch sein."

"Guter Finanzminister"

Das hindert Mateschitz nicht daran, die schwarz-blaue Regierung für die beste zu halten, "die wir seit vielen Jahren hatten". Weil irgendjemand ja die unpopulären Dinge wie Budgetsanierungen und so anpacken musste. Finanzminister Grasser mache seine Sache gut, diese Geschichte mit der von der Industrie gesponserten Homepage sei "eine Bagatelle". Grasser (der sich immer mit Red Bull in der Hand fotografieren lässt) hat angeblich ein Angebot von Mateschitz? "Er ist ein guter Finanzminister. Ob er ein guter CEO wäre, weiß ich einfach nicht."

Wie so viele Selfmademen hat Mateschitz eine unkomplizierte politische Philosophie: "Am besten wäre für mich eine Konzentrationsregierung, zusammengesetzt aus den besten Köpfen des Landes." Ein soziales Netz müsse es natürlich geben, aber der verstorbene Psychotherapeut Viktor Frankl habe ja vom "ureigensten Menschenrecht auf Eigenverantwortung" gesprochen: "Ich werde immer Frankls Anhänger bleiben." (Hans Rauscher, Der Standard, Printausgabe, 09.08.2003)

  • Dietrich Mateschitz vor einem US-Jagdbomber Corsair aus dem Jahre 1945
    foto: standard

    Dietrich Mateschitz vor einem US-Jagdbomber Corsair aus dem Jahre 1945

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