Laser sorgt für sauberen Glasschnitt

10. August 2003, 15:00
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Fraunhofer-Institut präsentiert neue Glastrenn-Technologie

Freiburg - Das Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg hat ein neues Verfahren zum Glasschneiden entwickelt: Ein Laserstrahl zeichnet die Kontur ins Glas, damit das Glas bricht. Bei der neuen Technik müssen die Kanten nicht nachbearbeitet werden. Schon im kommenden Jahr sollen die ersten Hightech-Glasschneide Maschinen in die industrielle Anwendung gehen, berichtet das Fraunhofer-Institut.

Nach Angaben des deutschen Industrieverbunds, der an dem Projekt beteiligt ist, werden in Deutschland jährlich 2,1 Mio. Tonnen Flachglas hergestellt. Bei heute gängigen Glastrennverfahren wird die Kontur mit einem Schneidrad ins Glas geritzt und die Scheibe entlang der Ritze gebrochen, hernach müssen die Bruchkanten mit hohem Aufwand nachbearbeitet werden. "Es bilden sich Risse, manchmal bricht zuviel ab und es entstehen Ausmuschelungen", beschreibt IWM-Projektleiter Horst Kordisch die Nachteile des bisherigen Verfahrens. Es dauert, bis die Kanten glatt geschliffen sind. "Wenn nur ein kleiner Riss zurückbleibt, kann der sich später, etwa bei hohen Temperaturen, ausbreiten und das Produkt unbrauchbar machen." Ein weitere Nachteil sind die hohen Entsorgungskosten des Glasstaubs, der als Sondermüll behandelt werden muss.

Temperaturempfindlichkeit

Das neue System namens laserinduziertes Spannungs-Trennverfahren (LiST) macht sich die Temperaturempfindlichkeit des Glases zunutze. "Mit dem Laser lässt sich ganz gezielt eine bestimmte Temperatur an einem bestimmten Punkt erzeugen", erklärt Kordisch die Grundidee. Der Laser zieht eine Linie in der gewünschten Kontur auf dem Glas, die schnell abgekühlt wird und daher reißt. In ersten Versuchen mit Prototypen war das LiST erfolgreich. Die IWM-Experten haben zwei marktgängige Glasmaschinen mit Scanner und Glasvorschub, Steuerungstechnik und Lasern umgerüstet. "Das Verfahren arbeitet mit CO2-Laser und Diodenlaser. Da die Gläser je nach Struktur, Farbe und Zusammensetzung unterschiedlich Licht absorbieren, werden auch unterschiedliche Wellenlängen gebraucht", so Kordisch.

Das Projekt wurde 2001 mit verschiedenen anderen Unternehmen begonnen und vom deutschen Bundesforschungsministerium mit insgesamt 1,7 Mio. Euro gefördert. Profitieren soll von der Technologie die ganze Branche, die mit 4.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 600 Mio. Euro lukriert. Die Fraunhofer-Forscher arbeiten derzeit an einer Beschleunigung des neuen Verfahrens. Im Herbst 2003 sollen die ersten Maschinen gebaut und Anfang 2004 in der produktionstechnischen Anwendung getestet werden. (pte)

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