Israel macht Syrien für Hisbollah-Angriffe verantwortlich

9. August 2003, 17:30
posten

Konflikt um Shebaa-Ländereien neu angeheizt

Jerusalem/Beirut - Israel macht Syrien für die Angriffe der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah auf Stellungen der israelischen Armee im umstrittenen Grenzgebiet der so genannten Shebaa-Ländereien verantwortlich. Als Ordnungsmacht im Libanon sei Syrien für die Zügelung der Hisbollah zuständig, verlautete am Freitag aus Regierungskreisen in Jerusalem. Hisbollah-Einheiten hatten zuvor das Gebiet im Dreiländereck zwischen Israel, Syrien und dem Libanon mit Raketen und Granaten angegriffen. Die israelische Luftwaffe bombardierte daraufhin nach Angaben der libanesischen Polizei mehrere Ortschaften im Südlibanon.

Streitpunkt: Hisbollah

Israel hatte sich im Mai 2000 nach 22-jähriger Okkupation aus dem Südlibanon zurückgezogen. Der Libanon beansprucht auch die Shebaa-Ländereien, die weiterhin von Israel besetzt sind, weil sie nach israelischer Auffassung ursprünglich zu Syrien gehörten und deshalb erst nach einem Friedensvertrag mit Damaskus geräumt werden sollen. Syrien anerkennt aber die libanesischen Territorialansprüche.

Syriens Außenminister Faruk Sharaa hat die Tätigkeit der Hisbollah, die als politische Partei im Beiruter Parlament vertreten ist, als "innerlibanesische Angelegenheit" bezeichnet. Die Hisbollah aufzulösen, bevor eine umfassende Nahost-Friedenslösung erreicht sei, würde bedeuten, Israel wieder das Tor für Interventionen im Libanon zu öffnen und einen neuen Bürgerkrieg auszulösen, hat Sharaa erklärt. Syrien hat nach einem weiteren Teilrückzug noch rund 15.000 Soldaten auf der Grundlage eines Beistandspakts und eines Mandats der Arabischen Liga im Libanon stationiert. US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hatte Syrien aufgefordert, die Hisbollah zu "zerschlagen".

Gefangenenaustausch

Israel hatte erst kürzlich seine Bereitschaft zu einem Austausch von Gefangenen mit der Hisbollah erklärt. Zu Jahresbeginn soll die israelische Regierung noch aus Wahlkampfgründen einen von Deutschland vermittelten Gefangenenaustausch mit der Hisbollah abgelehnt haben. Ende 1999 waren durch deutsche Vermittlung fünf gefangene Hisbollah-Angehörige aus Israel mit einer Lufthansa-Maschine über Frankfurt nach Beirut gebracht worden. Neben dem deutschen Bundesnachrichtendienst hatte sich auch Österreichs seinerzeitiger Verteidigungsminister Herbert Scheibner (F) bemüht, einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah herbeizuführen. Die drei israelischen Soldaten, die am 7. Oktober 2000 im Gebiet der von Israel besetzten Shebaa-Ländereien von der Hisbollah entführt wurden, sind inzwischen von der israelischen Armee für tot erklärt worden.

Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah hatte die Geheimverhandlungen über einen Gefangenenaustausch als blockiert bezeichnet. Ministerpräsident Ariel "Sharon wäre ein Narr, sollte er sich einbilden, dass wir Zugeständnisse machen könnten, ohne die Befreiung von Abdel Karim Obeid und Mustafa Dirani zu erreichen", sagte Nasrallah. Der libanesischen Schiitenführer Obeid war 1989, Dirani 1994 von israelischen Kommandos aus dem Libanon entführt worden. Die beiden Männer sitzen ohne Gerichtsverfahren in israelischen Hochsicherheitsgefängnissen.

Die vom Iran finanzierte Schiiten-Miliz hat auch einen israelischen Geschäftsmann, den sie als Oberst des Geheimdienstes Mossad bezeichnet, in ihrer Gewalt. Die Hisbollah wurde in den achtziger Jahren mit iranischer Hilfe aufgebaut. Die israelische Regierung wirft dem Iran vor, Tausende von Kurzstreckenraketen an die Hisbollah im Südlibanon geliefert zu haben, die israelische Städte bedrohten.(APA/dpa)

Share if you care.