Neue Therapie gegen Knochenmetastasen

13. August 2003, 12:36
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Radioaktive Substanz zerstört Krebszellen - Weitere Studien sollen endgültige Klarheit bringen

Bonn - Ein neues Präparat kann die m,öglicherweise Lebenserwartung schwer kranker Krebspatienten mit Metastasen in den Knochen verdoppeln. Die von einem deutsch-amerikanischen Team entwickelte radioaktive Substanz reichert sich besonders in diesen Tochtergeschwulsten an und zerstört sie teilweise, wie die Klinik für Nuklearmedizin der Universität Bonn berichtet. Bisher galten Knochenmetastasen als schlecht behandelbar bis unheilbar. Nur die Schmerzen der Patienten konnten bekämpft werden.

Tochtergeschwulste in Knochen entstehen nach Angaben der Experten, wenn Zellen etwa eines Prostatakrebses mit dem Blut ins Knochenmark geschwemmt werden und sich dort unkontrolliert vermehren können. Schon seit vielen Jahren setzen Ärzte so genannte Radioisotope ein, um den Knochenschmerz zu lindern. Die Strahlung der radioaktiven Substanzen hatte aber bisher nicht genug Energie, um die Tumoren zu bremsen oder sogar zu zerstören.

Energiereichere Strahlung

Die Experten aus Bonn und dem US-Bundesstaat Tennessee entwickelten nun aber ein Radioisotop, das wesentlich energiereichere Strahlung aussendet. Da wuchernde Knochenmetastasen auf die strahlenden Phosphorverbindungen wie ein Magnet wirken, sammeln diese sich in der Nähe der Krebszellen und können sie schädigen oder sogar zu zerstören, wie der Bonner Nuklearmediziner Holger Palmedo berichtet. Zugleich sende das Medikament energiearme Gammastrahlung mit hoher Reichweite aus, mit deren Hilfe kontrolliert werden könne, ob das Isotop tatsächlich an die richtigen Stelle komme.

Palmedo testete das Präparat mit großem Erfolg an 64 Patienten mit Prostatakrebs und Knochenmetastasen, bei denen die üblichen Therapien nicht mehr halfen. Die eine Patientengruppe bekam lediglich eine einzige Injektion des neuen Medikaments, die Teilnehmer der anderen Gruppe erhielten es zwei Mal im Abstand von acht Wochen. Gerade in dieser zweiten Gruppe waren die Ergebnisse nach Angaben des Nuklearmediziners vielversprechend: "Bei 39 Prozent fiel die Menge des Tumormarkers PSA um mehr als die Hälfte ab."

PSA (Prostata spezifisches Antigen) ist ein Eiweißstoff, den die Krebszellen produzieren. Je mehr Tumorgewebe sich neu bildet, desto höher ist der PSA-Spiegel im Blut. Ein niedriger PSA-Wert zeigt laut Palmedo also, dass der Tumor langsamer wächst oder sogar zurückgedrängt wird: "Nach einmaliger Injektion kam die Krankheit im Mittel für 2,3 Monate zum Stillstand, nach Mehrfachinjektion sogar sieben Monate", berichtete der Arzt. Zugleich habe sich die Überlebenszeit bei den mehrfach behandelten Patienten von sieben auf 13 Monate verlängert. Jetzt wollen die Experten in einer weiteren Studie klären, ob sich diese positiven Resultate bei drei- oder vierfacher Anwendung noch weiter verbessern. (APA/AP)

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