Landeslehrer: Immer mehr Lehrer auf weniger Planstellen

20. August 2003, 19:23
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Bund bezahlt den Ländern die Kosten nicht nach Kopfzahl, sondern nach ausverhandeltem Stellenplan - Mit Infografik

Wien - Wie viele Schüler kommen im Pflichtschulbereich auf einen Lehrer? - Diese Frage ist bei genauerem Hinsehen komplizierter als eine einfache Division dies nahe legen würde. Die Kopfanzahl der Lehrer im Pflichtschulbereich (Volks-, Haupt-, Sonder- und Polytechnische Schulen) ist nämlich nicht ident mit den Planstellen laut Stellenplan: Die Kopfanzahl berücksichtigt nicht das Beschäftigungsausmaß der Lehrer (ob also eine volle Lehrverpflichtung vorliegt oder eine geringere, Anm.).

Der Bund refundiert den Ländern die Kosten für die Landeslehrer nicht nach deren Kopfzahl, sondern laut einem zuvor ausgehandelten Stellenplan. Extremes Beispiel: Ein örtlicher Pfarrer, der an der Volksschule zwei Stunden Religion unterrichtet, wird (in der Rechnung nach Köpfen) natürlich als ein Lehrer gezählt. Laut Stellenplan den Ländern refundiert wird vom Bund aber das so genannte "Vollbeschäftigungsäquivalent" für eine volle Lehrverpflichtung - darin beinhaltet sind also etwa elf solche Religionslehrer, die je zwei Stunden unterrichten. Anders ausgedrückt: Diese elf Pädagogen (nach Köpfen) nehmen eine einzige Planstelle ein. Ähnlich verhält es sich bei den so genannten halben Lehrverpflichtungen vieler Pädagogen.

Seit dem Schuljahr 1990/91 ist die Zahl der Pflichtschullehrer (nach Köpfen) von knapp 69.000 auf 75.300 (2001/02) gestiegen, die Zahl der laut Stellenplan refundierten "Vollbeschäftigungsäquivalente" hingegen von rund 72.500 auf 64.400 gesunken.

Interessantes Detail: Anfang der 90er Jahre wurden den Ländern mehr Planstellen zugestanden als Lehrer vorhanden waren - die Länder haben also weniger Pädagogen gebraucht als sie vom Bund zugeteilt bekamen. Gedreht hat sich dieses Verhältnis erstmals 1992/93, extrem auseinander gegangen ist diese Schere dann im Schuljahr 1995/96. 2001/02 standen 64.436 laut Stellenplan genehmigten Planstellen schon 75.335 Lehrer (nach Köpfen) gegenüber.

Im Schuljahr 2001/02 gab es an den Pflichtschulen insgesamt 686.276 Schüler. Zählt man also die Pädagogen nach Köpfen, kommt man auf 9,11 Schüler pro Lehrer, nach Planstellen auf 10,65 Schüler pro Lehrer.(APA)

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