Schenz: Kein Unrechtsbewusstsein für Insiderhandel

8. August 2003, 17:45
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Tatbestand des Insiderhandels durch Generaldirektor Struzl offenkundig

Wien - "Das Problem ist, dass es in Österreich kein Unrechtsbewusstsein für den Tatbestand des Insiderhandels gibt", sagte der Kapitalmarktbeauftragte der Bundesregierung, Richard Schenz, zur heutigen Aufsichtsratsentscheidung der voestalpine im "Fall Struzl". Als "lächerlich in meinen Augen" bezeichnete Schenz, dass (voestalpine-Chef Franz) Struzl Insiderhandel immer nur "vorgeworfen" werde. Tatsächlich hätten Vertreter der Staatsanwaltschaft in Wien bestätigt, dass der Kauf von VAE-Aktien durch Struzl im Sommer 2002 Insiderhandel gewesen sei. "Dann kann dieser Tatbestand durch die Zahlung von 50.000 Euro ("Diversion") nicht aus der Welt geschafft werden", sagte Schenz zur APA.

Schenz bezeichnete die heutige Aufsichtsratsentscheidung in Linz als "für Struzl, aber gegen den Kapitalmarkt". Ob der Beschluss des voestalpine-Aufsichtsrats gut für Struzl sei, bezweifle er, Schenz, aber. "Ich persönlich würde das nicht tun", sagte Schenz zum Entschluss von Struzl, nicht von sich aus zurückzutreten.

"Er tut mir leid"

"Ich habe kein Bedürfnis, dass Struzl strafrechtlich mehr verfolgt wird als das bisherige Resultat war. Er tut mir leid", sagte Schenz weiters. Aber als Gallionsfigur eines internationalen Konzerns "kann er so nicht fungieren", kritisierte Schenz. Er, Schenz, sei der Meinung, dass Insiderhandel nicht einer "Diversion" unterliegen dürfte. "Ich kann mich doch nicht einfach mit Geld von einem schadhaften Verhalten freikaufen", so Schenz.

International werde "der Fall Struzl mit dem Fernglas beobachtet", und er werde "nicht wie eine Bombe sondern wie eine Handgranate" einschlagen. Und "ob das gut ist was jetzt geschehen ist, bezweifle ich zutiefst", merkte Schenz kritisch an. Für den bevorstehenden weiteren Privatisierungsschritt der voestalpine erwartet Schenz keine unmittelbaren Konsequenzen, aber "die Schatten auf den Kapitalmarkt sind da".

Ein Analyst bezeichnete die heutige Aufsichtsratsentscheidung in Linz als "nicht gerade die sauberste Lösung", und sie sei "nicht wirklich hilfreich für den Kapitalmarkt". "Man hätte was fürs Image machen können", lautete der Kommentar gegenüber der APA weiters.(APA)

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