Herheim ändert "Serail"-Inszenierung - aber nicht wegen der BuherInnen

8. August 2003, 19:55
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Sänger genervt, Publikum gereizt, Regisseur gesprächsbereit

Salzburg - Der Regisseur der umstrittenen Inszenierung von "Die Entführung aus dem Serail" bei den Salzburger Festspielen, Stefan Herheim, ist auf Anfrage der Festspielleitung bereit, nach Salzburg zurück zu kommen und mit dem Publikum über seine Arbeit zu diskutieren. Außerdem wird Herheim eine Reihe von Details in dieser Inszenierung ändern, wie das künstlerische Betriebsbüro bekannt gab. In den vergangenen Vorstellungen kam es zu Störaktionen des Publikums und Gegenreaktionen von Sängern.

Änderungen ohnehin geplant

Herheim, bereits zurück in Norwegen, kommt wieder nach Salzburg, um eine Reihe von Details dieser heftig umstrittenen Inszenierung schon in der nächsten Vorstellung zu ändern. Betriebs- und Pressebüro der Festspiele legten Wert auf die Feststellung, dass es sich dabei um Korrekturen handle, die ohnehin geplant waren, auf Grund der knappen Probezeit aber vor der Premiere nicht mehr realisiert werden konnten.

Man reagiere nicht auf Buh-Rufe aus dem Publikum, so Pressechefin Susanne Stähr. Der Leiter des künstlerischen Betriebsbüros, Josef Hussek, sagte: "Man kann in der Kürze keinesfalls zum Beispiel Dialoge kürzen, wie man will. Das ist viel schwieriger als etwas hinzuzufügen. Aber kleinere Änderungen und Verbesserungen sind auch in einer Probe vor der Sonntags-Vorstellung möglich."

Face to faces

Um den Zuschauer-Unmut von den Sängern abzuhalten, wird sich Regisseur Stefan Herheim nach der Vorstellung am kommenden Sonntag, dem 10. August, dem Publikum stellen. Zudem hat sich Herheim bereit erklärt, am Montag, dem 11. August im Schüttkasten mit dem Publikum über seine Arbeit zu diskutieren.

In den vergangenen Vorstellungen der Entführung in Salzburg hatte das Publikum seinen Unmut an einigen Stellen derart laut zum Ausdruck gebracht, dass die Aufführung unterbrochen werden musste. "Belmonte" Jonas Kaufmann hatte daraufhin jene Zuschauer, denen die Aufführung nicht gefällt, zum Gehen aufgefordert.

Neugier geweckt

"Die Nerven dieses jungen, engagierten Ensembles mögen zur Zeit ein bisschen gereizt sein", sagte Hussek. "Die Sänger sind erschöpft und enttäuscht, dass die Aufführungen bei Teilen des Publikums derart drastisch abgelehnt wird - besonders nach dieser kreativen und freudvollen Probearbeit", so der Festspiel-Betriebsleiter.

Das Kartenbüro der Festspiele teilte mit, dass es rund 50 Kartenbesitzer gab, die ihr Ticket nach der - von vielen Medien schlecht kritisierten - Premiere wieder los werden wollten. "Wir nehmen die Karten aber nicht, wir reden mit den Leuten. Und meist gelingt es, die Leute zu beruhigen und die Neugier erneut anzustacheln", sagte Kartenbüroleiter Andreas Vrtal. "Jetzt, zwei Wochen nach der Premiere, beobachte ich eine Gegenbewegung. Jetzt steigt die Nachfrage wieder. Alle wollen diese 'Entführung' jetzt doch sehen". (APA)

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