"Letzte Chance" für AUA, um Streiks abzuwenden

13. August 2003, 09:43
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AUA-Management und fliegendes Personal sind auf Kollisionskurs: Das Management will 30 Millionen sparen, die Piloten höchstens zehn Millionen geben

Wien – Zwei Tage vor Beginn mehrtägiger Verhandlungen zwischen AUA-Management und ihren Piloten scheinen die "Partner" auf Kollisionskurs: Der AUA-Vorstand nannte zuletzt am Donnerstag das Ziel, durch eine 35-prozentige Senkung der Kosten der AUA-Piloten 30 Mio. Euro einzusparen. Hingegen bezifferten die Vertreter des Betriebsrats der AUA-Gruppe am Freitag das Sparpotenzial des von ihnen angebotenen Konzepts auf nur zehn Mio. Euro.

Mit der "sehr ernst gemeinten" Losung "Letzte Chance für den AUA-Vorstand" ziehen die Betriebsräte in die von Sonntag bis Dienstag anberaumten Verhandlungen. Kommt es zu keiner Einigung, "wird es Kampfmaßnahmen geben", sagte Wolfgang Hable, stellvertretender Betriebsratschef AUA-Bord und Vorsitzender der Gewerkschafts- Fachgruppe. Bereits "unmittelbar danach" könne es zu Maßnahmen kommen, die auch Streiks inkludieren.

Konzernweiter Kollektivvertrag

Der Gegenvorschlag der AUA-Personalvertreter, der gemeinsam mit Tyrolean und Lauda erstellt wurde, besteht in der Forderung nach einem konzernweiten Kollektivvertrag (KV). Derzeit gibt es getrennte KVs für AUA, Tyrolean und Lauda, wobei die Bezahlung der AUA-Piloten deutlich über jener bei Tyrolean und Lauda liegt. Damit würde das Management das Personal auseinander dividieren, kritisiert Thomas Fischelmaier, stellvertretender Lauda-Betriebsratschef den Vorstand, das einen Konzern-KV bisher ablehnte.

Erstmals zeigten sich die Personalvertreter jedoch bereit, über zwei Gehaltsschemas zu verhandeln. Demnach würden künftige AUA-Piloten zu geringeren Gehältern einsteigen und die Gehaltsentwicklung wäre "gedeckelt". Gleichzeitig sollen jedoch Tyrolean- und Lauda-Piloten "marktkonform" bezahlt werden, sprich höhere Gehälter bekommen. Dies könne aufgeschoben werden, bis die Airline wieder Gewinne schreibt.

Blickt man jenseits der markigen Ansagen auf Details, scheint ein Spielraum für Kompromisse möglich. Zwar bezifferte der AUA-Vorstand sein Sparziel auf 35 Prozent der jetzigen Kosten (30 Mio. Euro) – im nächsten Jahr sollen jedoch nur zehn Prozent erreicht werden, was den von der Personalvertretung gebotenen zehn Mio. Euro entspricht.

Gegengeschäft

Die Piloten seien bereit, höhere Einschnitte zu akzeptieren, wenn das Unternehmen in guten Jahren die Gehälter wieder in vergleichbarer Höhe anhebt, sagte Hable. Dies habe der Vorstand bisher jedoch stets abgelehnt.

Die vom Vorstand angestrebten Einsparungen würden jedoch die AUA "nicht retten": Die Kosten des fliegenden Personals betragen nur acht Prozent, der angestrebte Schnitt würde den Aufwand nur um ein Prozent senken, erklärte Fischelmaier. Hingegen hätte der Vorstand bisher versäumt, bei seinen Lieferanten OMV und dem Flughafen bessere Konditionen auszuhandeln. Der Wiener Flughafen sei der teuerste in der Region, dreimal teurer als Frankfurt und selbst noch ein Drittel teurer als München. Noch einen wunden Punkt bringen die Personalvertreter in die Verhandlungen mit: "Wo bleibt die Moral der Vorstände?", fragte Fischelmaier. "Während wir 2002 ein achtprozentiges Gehaltspaket akzeptierten, genehmigte sich der Vorstand eine Prämie in Höhe eines Jahresgehalts." (Helmut Spudich, Der Standard, Printausgabe, 09.08.20039

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