"Dilettantisches Management von Agnes Husslein"

8. August 2003, 13:34
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Expertenrunde diskutierte den Salzburger Sommer-Aufreger: "Nur Verlierer und keine Sieger"

Salzburg - "Diese Salzburger 'Pimperlaffäre' hätte in jeder anderen Stadt auch passieren können, der Grund für diese internationale Blamage liegt im dilettantischen Management von Agnes Husslein", der Leiterin des Salzburger Museums der Moderne Rupertinum. Das sagte Wolfgang Lorenz, der Intendant der "Kulturhauptstadt Graz 2003", bei einer Podiumsdiskussion Donnerstag Abend in der ARGEkultur Salzburg.

"Hätte Husslein diese Aktion medial vorbereitet, inhaltlich geschickt begleitet und sich nicht lausbübisch versteckt, dann wäre Salzburg diese tragikomische Provinzposse, in der es nur Verlierer und keine Sieger gibt, erspart geblieben", argumentierte Lorenz.

"Verkrümelt"

"Dass Husslein sich mitten in dieser Affäre an den Wörthersee 'verkrümelt' hat, das ist der eigentliche Skandal. Wenn wir das Kulturhauptstadt-Jahr in Graz derart schwach organisiert hätten, wären wir ordentlich auf die Nase gefallen", so Lorenz. Salzburg habe verkrampft reagiert - genau so wie von den Künstlern vorherberechnet. Ein bisschen mehr lockere Gelassenheit würde der Stadt gut tun. "Was wäre denn schon passiert, wenn diese Skulptur, geschmacklos oder nicht, ein, zwei Wochen gestanden wäre?"

Entscheidungsgremium

Lorenz empfahl der Stadt dringend, ein weisungsunabhängiges Gremium zu installieren, das in derartigen Streitfällen entscheiden könnte. "Die Politik ist doch dabei hoffnungslos überfordert." Bürgermeister Heinz Schaden (S) begrüßte diesen Vorschlag, wies aber darauf hin, dass ÖVP und Freiheitliche dann von Geschmacksdiktatur reden würden.

Alexander Mänhardt, Richter in Salzburg und Vorstandsmitglied der ARGEkultur Salzburg, sagte, ein derartiges Gremium sei sinnlos: "Wenn die Kultur nämlich nicht gegen bestehende Gesetze verstößt, dann ist sie laut österreichischer Verfassung und internationaler Rechtsprechung frei. Jedes Gremium könnte erst recht wieder nur über Geschmack streiten."

Männerängste

Ein Besucher der Diskussion - von Beruf Psychoanalytiker - sagte, das Interessante an dieser Salzburger Skandalgeschichte um den Arc de Triomphe aus Plastilin sei nicht die Freiheit der Kunst, sondern die panische Reaktionen vor allem von Männern. Diese Figur habe den jahrhundertealten Männerwahn von Eroberung, Zerstörungskraft und phallischer Protzerei karikiert. "Ich versteh' nichts von Kunst, aber dieses Ding ist vielen Männern ziemlich nahe getreten", so der Psychoanalytiker in dieser Kunstdiskussion.(APA)

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