Wachskügelchen im Putz bewirken "prima Klima" im Haus

14. August 2003, 12:13
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Eine Innovation sorgt für Erleichterung in hitzegestressten Leichtbaugebäuden

Freiburg - Die brütende Hitze dieser Tage lässt die oberen Stockwerke normaler Wohnhäuser zur Sauna werden - aber aus Häusern in Leichtbauweise macht sie gleich einen Backofen. Dünne und leichte Wände können nur wenig Wärme speichern, deshalb heizen sich die Räume schnell und stark auf. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg haben Abhilfe ersonnen, wie die Fraunhofer-Gesellschaft berichtet.

Sie haben eine Methode gefunden, mit der eine nur wenige Millimeter dünne Putzschicht den gleichen temperaturausgleichenden Effekt bekommt wie eine massive Ziegelwand, die am heißen Tag Wärme speichert und sie während der Nacht abstrahlt. In einem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt entwickelten sie gemeinsam mit Kollegen der Unternehmen BASF, Casparol, Heidelberger maxit und Sto eine neue Baustoffklasse.

Paraffin

Diese hat es in sich. Das Material enthält ein Pulver aus Paraffin, das in winzigen Kunststoffkügelchen eingekapselt ist. Paraffin, eine aus Erdöl gewonnene Substanz, hat ähnliche Eigenschaften wie Wachs. Schon eine sechs Millimeter dünne Putzschicht, in der unzählige solche Kügelchen enthalten sind, kann tagsüber so viel Wärme speichern wie eine Ziegelwand.

Wenn es heiß wird, schmilzt das Paraffin. Bei diesem Vorgang wird Energie verbraucht, die Temperatur des Paraffins erhöht sich dabei nicht oder nur geringfügig. Wenn das Paraffin bei kühleren Umgebungstemperaturen wieder zu erstarren beginnt, gibt es die beim Schmelzen aufgenommene Wärme wieder ab.

Der neue Baustoff wird als Phase Change Materials (PCM), also Phasenwechselmaterial, bezeichnet. Der Schmelzpunkt kann bei der Produktion unterschiedlich festgelegt werden - "im Prinzip zwischen etwa zehn und 90 Grad", wie Peter Schossig vom ISE erläuterte. Erste PCM-Produkte sind schon auf dem Markt. Sie eignen sich vor allem für den Einsatz in Bürogebäuden, in denen sich während der nächtlichen "Heizphase" kaum jemand aufhält. Das Pulver mit dem Paraffin darf bis zu einem Viertel des Gewichts der Putze und Spachtelmassen ausmachen. Diese werden wie üblich auf die Wände aufgetragen - und fertig ist die "integrierte Klimaanlage". (APA/AP)

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