Pasterze schmilzt jährlich um 40 Meter

13. August 2003, 09:42
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Bau der Pasterze-Seilbahn gefährdet den Nationalpark und wird Wahlthema in Kärnten

Klagenfurt - Mehrere Kärntner Landespolitiker und Peter Rupitsch, Direktor des Nationalparks Hohe Tauern, warnen davor, auf die Pasterze im Glocknergebiet eine Seilbahn zu bauen. VP-Landesrat Georg Wurmitzer meint, "das würde den Nationalpark in seiner Gesamtheit massiv gefährden".

DER STANDARD berichtete von den Plänen zur Verlängerung der bisherigen Bahn. Mit dieser ist der Gletscher für Besucher nicht mehr zu erreichen, weil er wegen der Klimaerwärmung jährlich um viele Meter schmilzt. Landeshauptmann Jörg Haider (FP) und die Großglockner Seilbahnen AG wollen deshalb eine Seilbahn von der Franz-Josefs-Hütte hinüber zur Pasterze errichten.

Gletscherschmelzen

Nationalparkdirektor Ruptisch gibt zu bedenken, dass der Gletscher heuer um rund 40 Meter schmelzen werde, "wenn dies so weitergeht, dann gibt es in 20 Jahren dort keine Gletscher mehr, wo die neue Seilbahn enden soll".

Haider argumentiert dagegen, dass man mit der Sanierung des Gamsgrubenweges nicht auf halbem Weg stehen bleiben, sondern Besucher eine weitere technische Aufstiegshilfe bescheren soll.

Umweltlandesrat Reinhart Rohr (SP) wirft Haider "Verrat an der Nationalparkidee" vor. Damit ist nach der internationalen Anerkennung durch die "Union zum Schutz der Natur und der natürlichen Ressourcen" ein übergeordneter Schutz für besondere Landschaften verbunden. Es gibt auch Pläne, das Glocknergebiet überhaupt in die Welterbeliste der Unesco einzubeziehen. Groß ist aber auch das Bemühen im Tourismus, am Berg Geschäfte zu machen.

Beim Österreichischen Alpenverein ist man angesichts der Seilbahnpläne beunruhigt. Der Verein ist seit 1918 der größte Grundbesitzer im Glocknergebiet. Begehrlichkeiten von Liftbetreibern sei man gewöhnt, aber eine neue Seilbahn sei undenkbar. Auch das Anlegen eines neuen Stausees ist in Diskussion. Beide Projekte sind schon jetzt Thema im beginnenden Wahlkampf für die kommende Landtagswahl. (aw, DER STANDARD Printausgabe 8.8.2003))

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