Gegenoffensive im Streit um Linux

13. August 2003, 15:01
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Programm-Urheberrechte: IBM und Red Hat verklagen SCO

San Jose - Fünf Monate hat die Linux-Gemeinde zum großen Teil nur mit Erstaunen, manchmal auch wütend auf die Behauptungen der US-Softwarefirma SCO-Group reagiert, in das Betriebssystem Linux seien unrechtmäßiger Weise Programmteile integriert worden, für die SCO die alleinigen Rechte besitze. In der vergangenen Woche nun sind mit dem Computerkonzern IBM und dem Linux-Unternehmen Red Hat gleich zwei Firmen in die rechtliche Gegenoffensive gegangen.

Klarstellung gefordert

SCO, das Rechte an einigen Unix-Teilen besitzt, hat IBM auf drei Mrd. Dollar (2,66 Mrd. Euro) Schadenersatz verklagt, weil der Konzern widerrechtlich Unix-Bestandteile in Linux integriert haben soll. IBM wies dies jetzt als falsch zurück und forderte vom Gericht, die Klage abzuweisen. SCO erwecke fälschlicher Weise den Eindruck, das sie Rechte an Unix habe, die es erlaubten, nicht nur alle Unix-Techniken, sondern auch Linux zu kontrollieren. IBM warf SCO vor, mit seinem Produkt Unixware gegen "nicht weniger als vier" Patente von IBM zu verstoßen.

Red Hat fordert eine richterliche Klarstellung, dass die verwendete Software nicht die Rechte von SCO verletze. Zudem solle SCO in einer Verfügung dazu verpflichtet werden, "unfaire, falsche und irreführende" Behauptungen zu unterlassen. Zudem wurde ein Rechtsfonds zur Unterstützung von Firmen und Organisationen, die Linux entwickeln, eingerichtet, in den Red Hat als Startkapital eine Mio. Dollar einzahlte. Andere Firmen wurden aufgerufen, ebenfalls Beiträge zu leisten.

Entscheidung gefordert

Der deutsche Linux-Verband (LIVE) stellte sich ausdrücklich hinter die Klage von Red Hat. Er verwies darauf, dass sich SCO in Deutschland bereits in einer Unterlassungserklärung gegenüber dem LinuxTag verpflichten musste, seine Vorwürfe gegen Linux nicht weiter zu verbreiten.

"Wir wollen eine Entscheidung", sagte Red-Hat-Chef Matthew Szulik. Er wolle endlich wissen, was in Linux sein solle, auf das SCO Rechte habe. Bisher gab es nur Gerüchte und Anspielungen. "Es gibt keine Basis, auf der wir etwas über die Klage von SCO sagen können." Einige Linux-Vertreter bezweifeln, dass die SCO-Klage überhaupt eine Grundlage hat, da das Unternehmen lange Zeit seine Caldera-Distribution selbst verkaufte und diese erst nach der Klage vom Markt nahm.

"Natürlich werden wir antworten, wie die Kläger das fordern", sagte SCO-Chef Darl McBride. Die Klage von IBM sei ein Versuch, von einem fehlerhaften Geschäftsmodell abzulenken.

Das Unternehmern hat inzwischen auch die Preise veröffentlicht, die Linux-nutzende Firmen zahlen sollen, damit sie nicht von SCO verklagt werden können. Die Preise beginnen bei Servern bei 699 Dollar, für Arbeitsplatzrechner sollen 199 Dollar bezahlt werden. (APA/AP)

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