UNO-Friedenstruppe nimmt Gestalt an

10. August 2003, 18:33
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Entsendung einer Friedenstruppe zwischen 12.000 und 15.000 Mann geplant - Bangladesch will fast 5.000 Soldaten schicken

Monrovia - Wenige Tage vor dem erwarteten Rücktritt des liberianischen Präsidenten Charles Taylor nimmt die UNO-Friedenstruppe für das westafrikanische Land Gestalt an. Der UNO-Sondergesandte für Liberia, Jacques Paul Klein, rief in New York Vertreter aus 93 Staaten auf, die Friedenstruppe zu unterstützen. Diese solle zwischen 12.000 und 15.000 Mann stark sein. Namibia und Bangladesch sagten die Entsendung von insgesamt mehr als 6.000 Soldaten zu, wie Vertreter der Vereinten Nationen mitteilten. US-Außenminister Colin Powell bekräftigte, Wasington werde an einer anklage gegen Taylor festhalten.

Ablöse im Herbst

Bangladesch sagte zwei Brigaden mit insgesamt rund 4.800 Soldaten zu, Namibia kündigte die Entsendung zweier Bataillone mit je etwa 800 Mann an, wie Klein mitteilte. Der Weltsicherheitsrat hat einem zweimonatigen Mandat für die Truppe zugestimmt, die die Kämpfe zwischen den Rebellen und den Regierungssoldaten beenden sollen und nach Taylors Ausreise die Sicherheit im Land gewährleisten soll. Die Friedenssoldaten sollen im Herbst die seit Montag in Liberia stationierte multinationale Eingreiftruppe ablösen.

Munition abgefangen

Soldaten der von der Westafrikanischen Witschaftsgemeinschaft (ECOWAS) gestellten Eingreiftruppe ECOMIL haben unterdessen zehn Tonnen Munition für die Regierungstruppen am Flughafen von Monrovia abgefangen. Dies berichtete die UNO-Nachrichtenagentur IRIN unter Berufung auf diplomatische Quellen. Taylor habe vergeblich versucht, am Donnerstagmorgen die Flugzeugladung in Empfang zu nehmen. Sein Sohn Chucky habe die Munition im Ausland gekauft und sie unter Missachtung des UNO-Waffenembargos nach Liberia gebracht.

Machtübergabe

Der liberianische Kongress hatte am Donnerstag den Weg für die von Taylor für Montag versprochene Machtübergabe frei gemacht. Er werde dann seine Amtsgeschäfte an den bisherigen Vizepräsidenten Moses Blah übergeben, teilte Taylor nach Angaben des Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Nyundueh Monkomana, schriftlich mit. In dem Schreiben bezeichnete Taylor seine Regierung als Opfer einer "internationalen Verschwörung". Am Abend erklärte er dem Fernsehsender CNN: "Ich kann ihnen versichern, dass ich keine Minute länger als nötig bleiben werde". Einen Termin für seine Abreise aus Liberia nannte der Präsident noch immer nicht.

Rücktritt Taylors angekündigt

Taylor hatte wiederholt seinen Rücktritt angekündigt, jedoch zugleich als Bedingungen genannt, dass bis dahin ausreichend Friedenssoldaten in Liberia stationiert seien und dass seine Anklage vor dem Kriegsverbrechertribunal für Sierra Leone fallen gelassen werde. Liberia stellte mittlerweile beim Internationalen Strafgerichtshof einen Antrag auf Rücknahme der Anklage durch das Tribunal für Sierra Leone.

Gespräche mit Rebellen

Amerikanische Militärexperten wollten am Freitag mit Vertretern der Rebellen in Monrovia zusammenkommen. Ziel der Gespräche sei der Rückzug der Rebellen aus den von ihnen kontrollierten Teilen der Stadt, berichtete der britische Sender BBC. Die Rebellen hatten bisher betont, sich erst nach der Abreise von Taylor zurückzuziehen. Sie haben derzeit das Hafengebiet unter ihrer Kontrolle, wo die Vorräte der Hilfsorganisationen gelagert sind.(APA/AP/dpa)

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