Edelkrebs sucht neue Bleibe

13. August 2003, 12:27
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Amerikanische Signalkrebse bedrohen die letzten natürlichen Bestände heimischer Süßwasserkrebse

Salzburg - In welchen Bächen, Teichen und Seen gibt es natürliche Vorkommen von Edelkrebsen? Dieser Frage gehen derzeit Wissenschafter der Universität Salzburg nach. Unter der Leitung des Zoologen Robert Patzner werden die Gewässer untersucht. Sein Fazit: Es gibt nur mehr ganz wenige Lebensräume, in denen sich natürliche Bestände erhalten haben.

Ein Feind der heimischen Krebse kommt aus Nordamerika: Der Signalkrebs bedroht mit Erregern der so genannten Krebspest die heimischen Arten. "Im Hintersee hat es vor wenigen Jahren noch natürliche Vorkommen der Edelkrebse gegeben. Nun sind sie alle verschwunden", erzählt Patzner. Ein paar Signalkrebse reichten aus, um die heimische Art mit der Krebspest anzustecken und damit den Bestand zu töten.

Im Rahmen eines vom Land und dem Landwirtschaftministerium geförderten Projektes werden alle Flusskrebs- und Muschelbestände im Bundesland Salzburg erfasst. Ende 2003 soll das Vorhaben abgeschlossen sein. Andere Bundesländer sind mit der Erfassung schon weiter. Die Daten fließen in einen europaweiten Flusskrebsatlas ein, erklärt Patzner. Ziel ist es unter anderem, Gewässer zu finden, in denen Edelkrebse - auch für die wirtschaftliche Nutzung - wieder angesiedelt werden können.

Polizei

Krebse gelten als "Gewässerpolizei" und ernähren sich von kranken oder toten Fischen sowie anderen Wasserlebewesen. Süßwasserkrebse werden auch zur Bekämpfung von übermäßigen Muschelbeständen - wie der rasch zunehmenden Anzahl von Wandermuscheln in den heimischen Seen - eingesetzt. Auch wirtschaftlich ist der Krebs interessant: Er gilt als Leckerbissen.

Steinkrebse

In Salzburg haben die Wissenschafter Steinkrebsbestände vor allem in kleinen Gebirgsbächen mit klarem, kühlem Wasser entdeckt. Vorkommen gibt es vor allem im Flachgau und im Tennengau. Die Steinkrebse sind sehr klein und deshalb wirtschaftlich uninteressant, weiß Patzner. Die größeren Edelkrebse haben die Forscher vor allem im Pinzgau, Lungau und Flachgau entdeckt. Edelkrebse gibt es auch im Goldegger See.

Früher habe es Krebse massenhaft in den heimischen Gewässern gegeben. Vor etwa 150 Jahren sei mit dem Signalkrebs die für die heimischen Arten tödliche Krebspest eingeschleppt worden und habe die Bestände stark dezimiert, weiß Patzner. Mit der Kartierung will man nun jene Gewässer finden, die nicht von Signalkrebsen "infiziert" sind und mit heimischen Beständen neu besetzt werden können. (APA)

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