Bakteriengenen auf der Schliche

13. August 2003, 12:36
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Pathogenitätsinseln in gefährlichen Krankheitserregern gefunden

Würzburg - Würzburger Wissenschaftler sind bei der Erforschung von Bakteriengenen gefährlicher Krankheiten einen Schritt gekommen. Die Legionärskrankheit, die Cholera oder die Pest zählen zu diesen gefährlichen Erkrankungen, die von Bakterien verursacht werden. Immer sind es besondere Gene und deren Produkte, mit deren Hilfe die Erreger den Menschen infizieren und krank machen, berichten die Forscher in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science.

"Es gibt verschiedene bakterielle Gene und Genprodukte, die den Menschen krank machen. Manche beinhalten zum Beispiel den Bauplan für Giftstoffe. Andere sind dafür zuständig, dass sich die Bakterien überhaupt im Körper des Menschen festsetzen können und nicht wieder ausgeschieden werden. Wieder andere sorgen dafür, dass sich die Erreger einkapseln und dadurch schwer angreifbar werden", so Studienautor Jörg Hacker, Infektionsbiologe an der Universität Würzburg http://www.uni-wuerzburg.de . Die Würzburger Forscher konnten die so genannten "Pathogenitätsinseln" entdecken. "Die Gene, welche für die krank machenden Fähigkeiten der Bakterien verantwortlich sind, liegen auf dem Chromosom immer dicht beieinander", erklärt Hacker. Das sei mit einer Insel im Meer vergleichbar. "Diese Inseln werden auf die Nachkommen vererbt oder beim Genaustausch auf andere Bakterien übertragen", führt der Experte aus, der festgestellt hat, dass es solche und ähnliche Inseln auch bei Bakterien gibt, die nicht für Krankheiten verantwortlich sind. "Auch Gene, welche die Erreger gegen Antibiotika resistent machen, werden gemeinsam als gut geschnürte Pakete vererbt oder übertragen, im schlimmsten Fall auf Bakterien, die vorher noch nicht resistent waren".

Genaustausch

Zusätzlich sorgt noch die Tatsache, dass sich das Chromosom der Erreger während der Erkrankung im Körper des Menschen verändern kann, für Probleme einer wirksamen Bekämpfung. "Die Bakterien tauschen Gene untereinander aus, lagern sie innerhalb ihres eigenen Chromosoms um oder verlieren hin und wieder auch Teile davon", erklärt Hacker. Das sei fatal für einen Impfstoff, der zum Beispiel auf einem bestimmten Oberflächenprotein der Bakterien basiert.

Neue Strategien gegen die Bakterien können nur entwickelt werden, wenn das Erbgut komplett entschlüsselt wird wie das zum Beispiel beim Magenkrebs-Erreger Helicobacter pylori gelungen ist. Mit diesem Wissen könne die Wissenschaft, so Hacker, nun viele umfassende Untersuchungen angehen, die bislang nicht möglich waren. (pte)

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