Deutsche Pressestimmen: "Die österreichische Volksseele kocht ganz zu Unrecht"

8. August 2003, 11:21
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Schwitzer, Besitzer, Erhitzer - ein Sommerstreit

Frankfurt/München - Zu der deutsch-österreichischen Kontroverse um die "größten Deutschen" nehmen am Freitag deutsche Zeitungen Stellung:

"Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ):

"Wenn es um die Größten einer Nation geht, werden die Grenzen überall großzügig geöffnet. (...) Das besitzanzeigende, hitzige und oft auch aufhetzende Fürwort 'unser' gehört zu den bevorzugten patriotischen Kampfeinsatzmitteln auch dieses Boulevardblattes ('Neue Kronen Zeitung', Anm.), wenn es die Volksseele aufheizen möchte. Wäre bei den Temperaturen gar nicht nötig. Als 'zweifelhaftes Geschichtsverständnis', als 'schwerwiegenden Fauxpas' des deutschen Senders (ZDF) wertet das Kleinformat mit der riesigen Leserzahl die Vereinnahmung der quasi staatstragenden Österreicher. 'Unser Wolferl ein Deutscher? Na, so was!' Nie und nimmer (...) Ebensowenig wie der in Nordmähren geborene Freud, geradezu ein Übersymbol für die Wiener Seele (die ihn aber nie recht gebrauchen konnte) (...) Um ein bisschen Sommerstreit ging es wohl auch den Mainzern (...) Dass bei derartigen Heroen-Listen auch in Österreich immer wieder gern Berühmte - Kafka, Canetti, Celan - einverleibt werden, dann eben als 'Altösterreicher', daran muss in der Hitze des nationalstolzen Gefechts auch noch erinnert werden..."

"Abendzeitung":

"Das ZDF hat es gewagt, in seiner Liste berühmter Deutscher das geliebte 'Wolferl' aufzunehmen. 'Felix Austria' schäumt über den Frevel. Doch die österreichische Volksseele kocht ganz zu Unrecht. 'Im Geburtsjahr Mozarts 1756 gehörte Salzburg zum bayerischen Reichskreis', erklärt Mozart-Experte Robert Münster ('Mozart in München'). Und noch etwas spricht für die Aufnahme Mozarts in die Liste berühmter Deutscher. Münster: 'Mozart entstammt einer alten Augsburger Familie.' Erst 1816 kam Salzburg zum habsburgischen Österreich. Viel zu spät, um Mozart für sich zu vereinnahmen. Denn da war der Wolferl schon 25 Jahre unter der Erde. (...) Doch so leicht gibt sich Austria nicht geschlagen. 'Mozart ist und bleibt Österreicher', erklärt der Botschafter der Alpenrepublik in Berlin, Christian Prosl. Und wenn es die geschichtlichen Fakten nicht hergeben, wird halt die Meinung der Welt als übergeordnete Instanz angerufen..." (APA)

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