Affäre "Telekom Serbia": Schmiergelder auf österreichischen Konten?

9. August 2003, 22:17
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Umstrittener italienischer Geschäftsmann Marini bekräftigt Vorwürfe gegen Prodi, Dini und Fassino

Rom - Schmiergelder, die angeblich im Zusammenhang mit dem Kauf eines 30-prozentigen Aktienpakets der Telekom Serbia durch die Telecom Italia im Jahr 1997 gezahlt wurden, sollen auf österreichische Bankkonten gelandet sein. Dies berichtete nach Angaben der Mailänder Tageszeitung "Il Giornale" (Freitag-Ausgabe) der skandalumwitterte italienische Geschäftsmann Igor Marini , der sich als Kronzeuge in der Korruptionsaffäre um die Firma Telekom Serbia in Turin in Haft befindet.

Erneute Belastung von Prodi

Marini, der am 8. Mai in der Schweiz wegen mutmaßlicher Geldwäsche festgenommen worden war, bekräftigte laut italienischen Medienberichten seine Vorwürfe gegen den EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi, der 1997 italienischer Ministerpräsident war. Marini, der Ende Juli dieses Jahres von den Schweizer Justizbehörden nach Italien ausgeliefert worden war, betonte erneut, dass der damalige Premier Prodi Schmiergelder im Zusammenhang mit der Übernahme der Beteiligung an der Telekom Serbia kassiert habe. Marini belastete erneut auch den damaligen Außenminister Lamberto Dini, der derzeit als Vertreter der italienischen Opposition im EU-Konvent sitzt, sowie den damaligen Minister für Außenhandel Piero Fassino, derzeitiger Vorsitzender der Linksdemokraten (DS, stärkste Oppositionspartei).

Prodi, Dini und Fassino hätten Schmiergelder in der Höhe von 225 Millionen Dollar (198 Mill. Euro) kassiert. 100 Millionen Dollar, die für Prodi bestimmt waren, und 50 Millionen Dollar für Fassino seien auf österreichische Bankkonten gelandet, berichtete Marini. Die restliche Summe, die Dini zugeschanzt worden sei, sei auf ein Bankkonto im Libanon gelandet, erklärte der Geschäftsmann, der auch Dinis Ehefrau Donatella, eine angesehene Unternehmerin, belastete.

Marini wurde im Mai festgenommen

Marini wurde am Donnerstag fast drei Stunden lang von den Turiner Staatsanwälten einvernommen. Er hatte vor einer italienischen Untersuchungskommission erklärt, über 55 Millionen Dollar Schmiergelder für den Deal zwischen Telekom Serbia und Telecom Italia gewaschen zu haben. Akten, die dies belegen, sollen im Tessin deponiert worden sein. Als Marini Anfang Mai zu Erkundungszwecken mit Mitgliedern der Untersuchungskommission in Lugano auftauchte, wurde er festgenommen. Die Schweiz verdächtigt ihn unter anderem der Geldwäscherei und des Betrugs.

In Italien wird an der Glaubwürdigkeit Marinis stark gezweifelt. Der Geschäftsmann mit einer Vergangenheit als Schauspieler in zweitrangigen Filmen sei öfters in Betrugsfälle verwickelt gewesen, berichteten italienische Medien. Marini wurde von Dini wegen Verleumdung angezeigt.

Die Vorwürfe gegen Prodi, Dini und Fassino sorgten in Italien für heftige Diskussionen. Carlo Taormina, Parlamentarier der Partei des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, Forza Italia, sprach von erschütternden Aussagen und der "verheerendsten Schmiergeldaffäre seit der Gründung der italienischen Republik". Die drei Oppositionspolitiker sollten verhaftet werden, forderte er. Die Mitte-Links-Allianz sprach dagegen von einer skandalösen Verleumdungskampagne gegen Spitzenpolitiker des Oppositionsbündnisses Ulivo. (APA)

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