Verbotene Wasser (III)

10. August 2003, 19:42
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Abschließende Betrachtungen zur Flüssigkeit der Stunde: Der Österreicher verbraucht im Tagesschnitt 150 Liter Trinkwasser. 55 Liter werden verduscht, 32 nimmt das Klo, 25 die Wäsche, acht das Geschirr. Etliches fließt in die städtische Balkongärtnerei. Nur zwei, drei Liter werden getrunken, ein Bruchteil davon im Gasthaus. Liebe Wirte, tut uns Leid: Diese Quote steigt.

Jahrelang ließen wir uns von der Kohlensäure entgeltlich die Kehlen zersetzen. Plötzlich kann uns das Wasser zum Essen nicht mehr still genug sein: Wir wollen es aus der Leitung. Ab 2000 probierten Wirte, uns Wasser mit Selbstbehalt oder gar nicht zu servieren. Begründung: zu viel Aufwand für kein Geld. Der Versuch ist gescheitert. Wasser, den kleinsten gemeinsamen Luxus aller Österreicher, lassen wir uns nicht verbieten. Kluge Wirte gehen jetzt direkt auf uns zu: "Schmieban" in Graz, "Doan" am Naschmarkt: "Wollen Sie noch Wasser?" "Blauer Esel" in Penzing: Wasser wird in stilvollen Flaschen gratis serviert. Golfrestaurant Lans in Tirol: "Ein Mineral? Ich bring' Ihnen einen Krug Lanser Quellwasser."

Nur die kühnsten Nepper wehren sich noch immer erbittert gegen das Gratiswasser-Service. Bald werden wir sie alle kennen. (Der Standard, Printausgabe 8.8.2003)

Von
Daniel Glattauer

Teil 1
Verbotene Wasser

Teil 2
Verbotene Wasser

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