UNHCR: 118.000 serbische Flüchtlinge nach Kroatien zurückgekehrt

9. August 2003, 22:16
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Vertriebene kommen zurück - Probleme bei Rückgabe von Eigentum

Belgrad/Podgorica/Wien - 118.000 vertriebene Serben sind nach Angaben des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlingswesen (UNHCR) wieder nach Kroatien zurückgekehrt. Dies teilte der Sprecher des UNHCR in Österreich, Roland Schönbauer, am Donnerstag gegenüber der APA mit. Schönbauer sagte, dass es sich dabei um Heimkehrende aus Serbien, Bosnien und westeuropäischen Staaten handle. 70.000 Heimkehrer kommen aus Serbien und Montenegro und 35.000 aus Westeuropa, der Rest kommt aus der Republika Srpska (bosnisch-serbische Gebietseinheit von Bosnien-Herzegowina) und anderen Ländern.

Vertriebene kommen zurück

Insgesamt waren im Zuge der Rückeroberung der Krajina durch die kroatische Armee im August 1995 ("Operation Gewitter") 231.000 Serben vertrieben worden. Nach Angaben der kroatischen Nachrichtenagentur HINA werden die meisten Flüchtlinge in die Region um Lika und Banovina zurückkehren. Kroatien baue 7.000 bis 8.000 Häuser nach dem Krieg wieder auf. 80 Prozent der bereits hergestellten Gebäude der Flüchtlinge sind von Kroaten in Besitz genommen worden.

Gegenüber der Belgrader Nachrichtenagentur BETA sagte ein Sprecher des UNHCR-Programmes in Serbien und Montenegro, "dass die Situation in der Wiederherstellung der Gebäuden gut vorangeht". Einige Probleme gebe es aber bei der Rückgabe der Häuser von den derzeitigen Bewohnern an die Vorkriegsbewohner. Von insgesamt 18.000 Objekten seien 6.000 noch nicht zurückgegeben worden. Die UNHCR besteht auf einer Rückgabe des Eigentums an seine rechtmäßigen Besitzer.

Auf der anderen Seite halten sich noch immer 4.000 Flüchtlinge aus Kroatien in Montenegro auf, die hauptsächlich im Sommer 1995 kamen, so der montenegrinische Kommissar für Flüchtlinge, Djordjije Scepanovic. "Die meisten Flüchtlinge sind in die montenegrinische Gesellschaft integriert, aber der Status der Vertriebenen ist nach wie vor nicht geklärt. Viele von ihnen leben in Flüchtlingszentren oder haben Unterschlupf bei Freunden oder Verwandten gefunden", sagte Scepanovic gegenüber HINA.

Probleme bei Rückgabe von Eigentum

Scepanovic wies darauf hin, "dass die Flüchtlingszentren wegen des Ausbleibens von Spenden in zunehmender Zahl geschlossen wurden, was die Lage der Vertriebenen wesentlich verschlimmerte". In gewissem Ausmaß verbessere sich die Situation, weil es besonders in Kroatien für Flüchtlinge leichter sei, ihr Recht auf Beschäftigung geltend zu machen.

Laut dem aktuellen Flüchtlingsbericht des UNHCR sind in der Zeit seit Beendigung der Kämpfe vor gut sieben Jahren rund eine Million Personen in ihre Heimat zurückgekehrt, davon 390.000 in Regionen, die von den früheren Feinden beherrscht werden. Allein im letzten Jahr sind über 100.000 Menschen in Regionen heimgekehrt, die mehrheitlich von anderen Bevölkerungsgruppen bewohnt werden. Davon kehrten 39.000 Bosniaken in das von Serben kontrollierte Gebiet zurück und 30.000 Serben in Regionen, wo mehrheitlich Bosniaken und Kroatien leben.

"Möglich wurde diese Entwicklung durch den Mut und die Beharrlichkeit der Vertriebenen, die bei ihrer Rückkehr oft unüberwindlich scheinende Hindernisse gemeistert haben", so Udo Janz, der Leiter des UNHCR-Einsatzes in Bosnien und Herzegowina. Der UNHCR-Mitarbeiter wies darauf hin, dass mit dem Stand des letzten Jahres 170.000 Häuser wieder in Besitz der eigentlichen Eigentümer gelangt sind - 70 Prozent der Eigentumsmasse, die unter einem neuen Gesetz in Anspruch genommen werden können. (APA)

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