Rasend schnell immun

13. August 2003, 12:36
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Neue Impfung gegen Ebola wirkt sechsmal rascher

Bethesda - US-Wissenschafter verbuchten einen entscheidenden Erfolg in der Impfstoffentwicklung. Sie fanden einem Bericht des Fachmagazins Nature zufolge eine Methode, mit der die Zeit bis zur Wirksamkeit einer Impfung verkürzt werden kann.

So wichtig und effizient Impfungen auch sind, viele haben einen großen Nachteil: Ein Schutz gegen Viren wird erst nach zwei bis drei Injektionen in vier bis sechs Monaten aufgebaut. Eine bemerkenswerte Ausnahme stellt der Pockenimpfstoff dar: Der wirkt derart schnell, dass der Ausbruch der tödlichen Krankheit selbst dann noch verhindert werden kann, wenn das Vakzin einem bereits infizierten Menschen gespritzt wird. Was im Falle eines möglichen Anschlags mit Pocken entscheidend ist.

US-Militär finanziert Impfstoff-Entwicklung

Ob des neuen Bedrohungsbildes nach den Terrorattacken vom 11. September 2001 finanziert das US-Militär die Entwicklung schneller wirkender Impfstoffe. Wissenschaftern der nationalen Gesundheitsbehörde in Bethesda gelang dies nun für Ebola - das Virus steht auf der Liste biowaffentauglicher Erreger.

Für das neue Vakzin pflanzten die Forscher ein harmloses Protein aus der Hülle des Ebolaerregers auf ein genetisch abgeschwächtes Adenovirus, den Auslöser ordinärer Erkältungskrankheiten. Adenoviren haben die schlechte Angewohnheit, eine gewaltige Immunreaktion im Körper der Infizierten auszulösen - in diesem Fall ein Vorteil. Denn die produzierten Millionen von Abwehrkörpern werden bei ihrer Bekanntschaft mit den Schnupfenerregern auch gegen Ebola scharf gemacht.

Bei Affen hat es funktioniert

Bei Affen hat das ganze jedenfalls funktioniert, diese waren innerhalb von 28 Tagen nach einer einmaligen Impfung gegen Ebola immun - bei bisherigen Impfversuchen war ein derartiger Schutz erst nach sechs Monaten da. Lässt sich diese rasche Wirksamkeit auch bei Menschen erzielen, hoffen Forscher künftige Ebolaepidemien, die immer wieder in Afrika ausbrechen und bis zu einem Jahr dauern können, rechtzeitig verhindern zu können. Beim bisher letzten und relativ harmlosen Ausbruch im Kongo sind vor wenigen Wochen 128 von 143 Infizierten gestorben. Das entspricht der statistischen Todesrate von 90 Prozent.

Mithilfe des neuen Verfahrens sollen weitere Impfstoffe gebastelt werden. Neben solchen gegen andere biowaffentaugliche Erreger wie Krim-Kongo- und Marburg-Virus auch gegen HIV und Sars. (fei/DER STANDARD, Printausgabe, 8.8.2003)

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