Beratung bringt's beim Gratisrad

8. August 2003, 20:39
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Vier Monate nach dem Start befindet sich die niederösterreichische Gratisradaktion "Zweirad - Freirad" auf Expansionskurs

St. Pölten - Robert Stögner, Projektleiter der niederösterreichischen Gratisbike-Aktion "Zweirad - Freirad", hat einen Erfolg zu feiern. Zwar handle es sich nur eine Zwischenbilanz, "doch nach vier Monaten Probebetrieb liegt die Auslastung unseres Fahrradangebots in den Startgemeinden Baden und Perchtoldsdorf bei 76 Prozent", freut er sich.

Vor allem "die 30- bis 50-Jährigen" hätten sich auf die Sättel geschwungen, liest er aus einer Erstauswertung vor. Zu sehr unterschiedlichen Zeiten: "In Baden waren die Räder meist am Wochenende, in Perchtoldsdorf unter der Woche vergriffen."

Sieben Tage lang gratis

Bewährt, so Stögner, habe sich vor allem "der persönliche Ansatz" bei der Radausgabe: Keine automatisierten Check-In-Points, sondern echte Ansprechpersonen empfangen die Tretwilligen an den "Zweirad-Freirad"-Standorten. Sie notieren Telefonnummern, kopieren Personalausweise der "Kunden", die bis zu sieben Tage lang gratis in die Pedale treten können. Und bieten Beratung an: "Welches Rad zu wem passt. Und ob es sich zum Beispiel auszahlt, einen Kinderanhänger mit auszuborgen."

Sieben Orte - neben Baden und Perchtoldsdorf auch Neulengbach, Waidhofen an der Ybbs, Lengenfeld, Purkersdorf und Poysdorf - beteiligen sich derzeit an der landesweiten, dem Klimaschutz und der Förderung von Verkehrsalternativen verpflichteten Gratisradinitiative. Im kommenden Jahr könnten es bereits 19 sein, verkündet Stögner: "Zwölf neue Anmeldungen liegen derzeit auf meinem Tisch."

Absolute Renner

Die interessierten Gemeinden müssen sich verpflichten, die Ansprechpersonen an den Radstandorten zu bezahlen. Die Drahtesel selbst werden vom Land geliefert, rund 20 pro Gemeinde und in großer Vielfalt: Neben den "absoluten Rennern", den Mountainbikes und Treckingrädern, stehen auch Elektroräder, Tandems und Tretroller für Erwachsene zur Verfügung.

Diese Kostenaufteilung und die breite Auswahl werde man erhalten, heißt es im Büro des zuständigen Landesrates, Wolfgang Sobotka (ÖVP). Alles in allem sei das - vorerst auf drei Jahre - angelegte Projekt "nicht wahnsinnig teuer budgetiert: Mit rund 73.000 Euro." Verbesserungen würden dennoch angestrebt: Ab kommenden Jahr soll die Radreservierung im Internet möglich sein.

Als explizit niederösterreichische Gratisradaktion soll Zweirad-Freirad außerdem "zu einer eigenen Marke werden." Und zwar, in einem ersten Schritt, mit Hilfe von viel grünem und türkisem Lack. Bemalte Räder könnten vielleicht zu "Kultobjekten" werden, spekuliert Stögner. So, wie es mit den in rosa, hellblau und weiß gehaltenen Wiener Viennabikes geschehen ist, die nach ihrem kurzem Gastspiel als Allgemeingut jedoch der Privatisierung anheim gefallen sind. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 8.8.2003)

Auslastung 75 Prozent - und jede Menge Neuanmeldungen. Vier Monate nach dem Start befindet sich die niederösterreichische Gratisradaktion "Zweirad - Freirad" auf Expansionskurs.

Link

zweiradfreirad.at

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