Ein Stahlmann mit Charisma

18. August 2003, 10:27
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Auch wenn Schwarzenegger die zweite Karriere schafft: Sie wäre kein Honiglecken - Ein Kommentar von Christoph Winder

Jetzt hat er’s also doch getan. Nach einem weitschweifigen Hin und Her unter heftiger Medienbeteiligung, das ihn zum Start seines neuen Films wochenlang in die Schlagzeilen brachte, hat er bei einem Auftritt in der Jay Leno-Show am Mittwoch endlich Klarheit geschaffen: Arnie, steirische Eiche honoris causa, Terminator und die Ikone erfolgreichen Auslandsösterreichertums schlechthin, hat seinem Herzen einen Stoß gegeben und wird am 7. Oktober bei der Wahl um das kalifornische Gouverneursamt mit dabei sein. "Hasta la vista"-Witze und "I’ll be back"-Bonmots haben in den nächsten Wochen in Presse und TV garantiert Hochkonjunktur. Und die Chancen, dass Schwarzeneggers spektakuläre US-Karriere zu guter Letzt in einem politischen Endausläufer terminiert, stehen nicht schlecht.

Dafür sorgt zunächst der Demokrat Gray Davis, dessen Unpopularität seine Gegner überhaupt auf die Idee gebracht hat, den Prozess seiner Abwahl als Gouverneur (und der gleichzeitigen Wahl seines Nachfolgers) in die Wege zu leiten. Festzuhalten ist, dass Davis’ Performance gewiss bescheiden ist. Seiner Unpopularität halber muss er sich aber auch einiges umhängen lassen, woran er keine Schuld trägt: Das Platzen der Dotcom- Blase, das zur depressiven Stimmung in Kalifornien Beträchtliches beiträgt, geht eben so wenig auf sein Konto wie die Energiekrise, die ihm nur partiell anzulasten ist.

Wenn man sich fragt, was einen erfolgreichen Schauspieler dazu bringt, von seinem Ursprungsmetier in die Politik überzuwechseln, dann mögen dafür im Fall Schwarzenegger neben persönlichen auch professionelle Gründe den Ausschlag gegeben haben. Der dritte "Terminator"-Film war, nach einer Durststrecke für den Exilsteirer, ein großer kommerzieller Erfolg (wenn auch ein nicht so großer, wie es sich die Produzenten des Streifens erhofft haben). Dennoch trägt Arnies Karriere, die engstens an die Attribute einer hyperintakten Körperlichkeit gebunden ist, ihr Ablaufdatum in sich: Ein Terminator mit Greisenantlitz und Zipperlein ist schwer vorstellbar. "Terminator 3" hat nicht von ungefähr mit einem Schwung selbstironischer Andeutungen aufgewartet, dass der Roboter, der aus der Zukunft kam (und Schwarzenegger selbst), Auslaufmodelle seien.

Daher ist es nur klug, wenn Arnie einen Beruf anstrebt, in dem man theoretisch bis weit über den siebzigsten Geburtstag hinaus ohne Peinlichkeit tätig sein kann: Den des Politikers. Dabei kommt ihm zweierlei entgegen: Rückenwind aus dem Weißen Haus, das an einer Kandidatur Schwarzeneggers offenkundig Gefallen findet. Dann der Hang der Amerikaner zum charismatischen politischen Führer, für das Schwarzenegger wenigstens die im Medienzeitalter unabdingbare Bekanntheitsvoraussetzung mit sich bringt.

Da mag die US-Presse von New York Times bis Washington Post noch so sehr die Nase rümpfen, weil Schwarzeneggers politische Erfahrung gleich Null ist: Als Inkarnation filmischer Breitenwirkung ist er unschlagbar. Und auch an populistischen Ansagen (die, so der deutsche Politologe Claus Leggewie, eine Degenerationserscheinung wahren Charismas sind), hat er es schon beim ersten Auftritt als offizieller Kandidat ("Ich gehe nach Sacramento und räume das Haus auf") nicht fehlen lassen. Unten den Vorgaben der kalifornischen Verfassung, die direktdemokratischen - und damit auch populistischen - Entscheidungsfindungen stark entgegenspielt, spricht vieles für den "Terminator".

Ob das alles ausreichend sein würde, damit Schwarzenegger einen von der ökonomischen Krise am massivsten betroffenen US-Bundesstaaten aus der Sackgasse manövrieren kann? Aus alter österreichischer Verbundenheit wünschen wir Arnie bei einem möglichen Wahlerfolg natürlich das Allerbeste. Als nüchterne politische Beobachter fügen wir hinzu: Die Aufgabe, der er sich zu stellen hätte, wäre wahrlich nicht von Pappe, sondern aus Stahl: Dem der extraharten Terminator-Sorte der jüngsten Generation.(DER STANDARD, Printausgabe, 8.8.2003)

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