Goldene Brücke für umstrittenen Primar

8. August 2003, 20:39
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Privilegien eines Chefs trotz Rücktritt - Rolle als Universitätsprofessor davon nicht betroffen

Innsbruck - Der umstrittene Vorstand der Innsbrucker Uniklinik für Hals-, Nasen-und Ohrenheilkunde, Walter Thumfart, ist am Donnerstag zurückgetreten. Thumfart waren u.a. Kunstfehler, mangelnde Patientenaufklärung sowie nicht nötige und nicht abgesprochene zusätzliche Eingriffe während Operationen vorgeworfen worden.

Rolle als Universitätsprofessor davon nicht betroffen

Davon nicht betroffen ist Thumfarts Rolle als Universitätsprofessor. In einer Einigung mit dem Krankenanstaltenträger Tilak wurde Thumfart außerdem die Führung einer Facharztpraxis an der Klinik, sowie die Nutzung von deren Infrastruktur zu Operationen an Privatpatienten zu den üblichen finanziellen Konditionen zugestanden. Acht der derzeit elf Privatbetten bleiben Thumfart vorbehalten. Für seinen Nachfolger als Klinikvorstand soll die Zahl der Privatbetten "nach Bedarf" aufgestockt werden.

"Saubere Lösung"

Uni-Rektor Hans Moser und Tilak-Vorstand Herbert Weissenböck sprechen von einer "sauberen Lösung", die dazu dienen soll, den ramponierten Ruf der Uniklinik wieder herzustellen. Ein Expertengutachten über die Vorwürfe gegen Thumfart bleibt unveröffentlicht. Dieses würde die Vorwürfe gegen Thumfart zum Teil bestätigen, allerdings keine Kunstfehler nachweisen, erklärt Moser. Einig sind sich Moser und Thumfart, dass der "freiwilliger Rücktritt" allen Beteiligten jahrelange juristische Auseinandersetzungen mit ungewissem Ausgang erspare.

Für Thumfart sind alle gegen ihn erhobenen "Anschuldigungen nachweisbar falsch". Er sei froh den "Verwaltungskram" als Klinikvorstand los zu sein.

Weissenböck verweist auf detaillierte Regelungen im (ebenfalls nicht veröffentlichten) Vertrag mit Thumfart, die auf einige der kritisierten "Verhaltensweisen" Thumfarts abzielten. Dieser Vertrag sei seitens der Tilak gegebenenfalls kündbar, Thumfarts "Ausscheiden aus der öffentlichen Krankenversorgung" erfolge auf Dauer. Das vakante Primariat werde nun umgehend ausgeschrieben. (hs, DER STANDARD Printartikel 8.8.2003)

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