Herodot für Pasching

6. Oktober 2003, 15:56
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Die Rede ist von FC Superfund Pasching, der ins Stadion am Wesertor einfiel, um den SV Werder Bremen im Halbfinale ...

Es gibt eine Art der Geschichtsschreibung, die kein Hehl aus ihrer Parteilichkeit macht - und dennoch dem historischen Widersacher, ob er nun geplündert oder gebrandschatzt hat, großherzige Duldung widerfahren lässt.
Die Rede ist nicht von Dschingis Khans Horden, sondern natürlich vom FC Superfund Pasching, der ins Stadion am Wesertor einfiel, um den SV Werder Bremen im Halbfinale des UI-Cups "aus dem Bewerb zu schießen".

Hartgesottene sahen sich das Rückspiel im Deutschen Sport Fernsehen (DSF) an. Das Bild war wie folgt: Enervierte Ballesterer-Zicken in Grün-Weiß taten furchtbar indigniert, als sich der herrliche Legionärshaufen aus dem Einzugsgebiet von Linz dem Sturm der Weser-Millionäre blindlings entgegenstemmte - statt sich, wie von Bild gefordert, fünf Trümmer einzufangen.
Einen Narren hatte der höfliche DSF-Reporter freilich an Pepi Schicklgruber, dem Paschinger Keeper, gefressen. Es mag natürlich sein, dass der Name dieses wackeren Sportsmannes Erinnerungen an ein dunkles Kapitel der deutsch-österreichischen Geschichte weckt. Die Lobesworte indes klangen aufrichtig zutraulich. Und zählte der Pepi nicht 36 Lenze - wer weiß: Er zöge sich vielleicht schon morgen auf einer Hachinger oder Osnabrücker Ersatzbank einen mitteldeutschen Schiefer ein.

So hält es der große Fußballmarkt mit den Kleinen: Er fährt ihnen anerkennend durchs Haar. Und Pasching darf "auf Schalke" vor 60.000 spielen. DSF macht's möglich: Kein Wort über Cordoba! (poh/DER STANDARD; Printausgabe, 8.8.2003)

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