Ein Cyborg für Sacramento

8. August 2003, 17:38
posten

Die Marke Schwarzenegger passt für vieles

"Go ahead. Make my day": Clint Eastwoods alias Dirty Harrys berüchtigte Ansage hatte Ronald Reagan einst an den US-Kongress gerichtet und derart sein Veto gegen Steuererhöhungen angekündigt. "I will go to Sacramento and I will clean house", lautete Arnold Schwarzeneggers markiges Versprechen in der Jay- Leno-Show, bei der er seine Kandidatur für das Amt des kalifornischen Gouverneurs bekannt gab.

"It is time." – Frei übersetzt: "Zeit wird's." – Der Stehsatz aus Terminator 3 bewahrheitet sich nun also doch, obgleich nicht in der Fiktion: Womöglich ist Schwarzenegger nach dem nur passablen Erfolg des Films an der Box-Office (in den USA hält er bei 140 Mio. Dollar) klar geworden, dass selbst seine populärste Rolle schon ausgereizt und ein ruhmvolles Alterswerk eher unwahrscheinlich ist.

Hollywood-Stars in der Politik sind da schon ein erfolgsträchtigeres Modell: Reagan gelangte (nur) als B-Movie- Darsteller an die Spitze, Schwarzeneggers Action-Heroen, als Produkt der Blockbuster-Logik über das Kino hinaus erfolgreich, sollten also kein Hindernis sein.

Idole der Konsumation, wie der US-Neohistoriker Michael Rogin in seinem Buch Ronald Reagan, the Movie ausführt, sind sie beide: Berühmtheiten, die ihre Wirkkraft nicht durch Taten beziehen (wie Idole der Produktion, die klassischen "Macher"), sondern durch "looks". Immer schon mehr ein Produkt, das Persönlichkeit vermittelt, lässt es sich besser mit diesen identifizieren.

Die Verwirrung zwischen Leben und Film droht bei Schwarzenegger noch mehr als bei Reagan: Seine muskelbepackten Helden sind Kunstprodukte, die wortkarg die Welt verändern. Doch selbst der Terminator durchlief in drei Teilen eine Geschichte, die ihn nun für Politik humaner erscheinen lässt: Von der gefühllosen Killermaschine wandelte er sich zur Vaterfigur, die den Keim für eine neue Gesellschaft trägt. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 8.8.2003)

Share if you care.