Struzl bis auf weiteres Voest-Chef

13. August 2003, 17:53
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Der Aufsichtsrat hat Struzl einstimmig das Vertrauen ausgesprochen - Sein privater Aktienkauf im Vorjahr hätte nicht die Merkmale eines Insiderhandels gehabt

Wien – Der Aufsichtsrat des Linzer Stahlkonzerns Voestalpine hat dem in Bedrängnis geratenen Vorstandsvorsitzenden Franz Struzl am Freitag in einer außerordentlichen Sitzung einstimmig das Vertrauen ausgesprochen. Vorangegangen war eine mehr als dreistündige "minutiöse Diskussion" im Beisein der Rechtsexperten Christian Nowotny (WU Wien), Christian Hausmaninger (Struzls Anwalt) sowie des emeritierten Linzer Rechtsprofessors Rudolf Strasser, der auch Voest- Ehrenpräsident ist.

Struzl hatte die Vertrauensfrage gestellt, nachdem sein Mitte 2002 erfolgter privater Kauf von VAE-Aktien in zeitlicher Nähe zur VAE-Übernahme durch die Voest von sämtlichen Medien Österreichs scharf kritisiert und von der Staatsanwaltschaft als klarer Insiderhandel bezeichnet wurde. Nach Angaben der zuständigen Behörden hat sich Struzl vor einer Anklage lediglich durch die Bezahlung einer Geldbuße in Höhe von 50.000 Euro gerettet. Den Gewinn aus seinem privaten Aktiendeal von 250.000 Euro hat er für karitative Zwecke gespendet (siehe Chronologie rechts).

Nicht anwesend waren bei der Aufsichtsratssitzung drei der zehn Kapitalvertreter, die ihre Stimmrechte jedoch Voest-Aufsichtsratspräsident Rudolf Streicher zuvor übertragen hatten. Dieser sprach in einer knappen Presseerklärung davon, dass die "wesentlichen Merkmale des Insidertradings" im Fall Struzl nicht eingetreten seien. Es habe insbesondere "keine persönliche Bereicherung" Struzls gegeben, auch sei es zu keiner Anklage oder gar Verurteilung gekommen, so Streicher. Der Vorstand leiste "exzellente Arbeit" und es bestehe "Harmonie" innerhalb der Konzernführung.

Die Bestätigung Struzls war im Vorfeld erwartet worden. Sein Vorstandsvertrag läuft bis Mitte 2006. Wiederholt war in den vergangenen Tagen jedoch darüber spekuliert worden, dass der 61-jährige Struzl in absehbarer Zeit freiwillig aus dem Unternehmen ausscheiden könnte. Als sein logischer Nachfolger gilt ^Voest-Vizechef Wolfgang Eder (51), der nebst anderem für den Erfolg der aufstrebenden Voest-Automobilsparte verantwortlich zeichnet.

"Kein Kavaliersdelikt"

Die Finanzmarktaufsicht (FMA), die Struzls Aktiendeal an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet hatte, wollte den konkreten Fall nicht kommentieren. FMA-Vorstand Kurt Pribil sagte jedoch zum Standard: "Insiderhandel ist kein Kavaliersdelikt und schädigt das Vertrauen der Aktionäre." Ebenso kritisch äußerten sich in ersten Reaktionen dem Standard gegenüber der Kapitalmarktbeauftragte der Bundesregierung, Ex-OMV- Chef Richard Schenz, sowie der Aktionärsschützer Wilhelm Rasinger.

Schenz sagte: "Das ist ein schönes Ergebnis für Struzl, aber ein schlechtes Ergebnis für den Kapitalmarkt. Das Unrechtsbewusstsein ist in Österreich offenbar noch immer nicht genug ausgeprägt. Ich hab nichts persönlich gegen Struzl, aber dieser Fall wird international einschlagen wie eine Handgranate." Rasinger ergänzte: "Da wurde eine einmalige Chance, in Sachen Kapitalmarkthygiene aufzuräu 3. Spalte men, vertan. Die Voest hat sogar die Regel 69 des Corporate Governance Codex zur Offenlegung aller Aktientransaktionen von Vorständen und Aufsichtsräten ausdrücklich ausgenommen. Nur das Vertrauen des Aufsichtsrates ist äußerst dürftig." Zum Hintergrund: In den börse^notierten Unternehmen OMV, Erste Bank und Wie nerberger werden Aktientransaktionen von Vorständen und Aufsichtsräten mittlerweile für die Dauer von sechs Monaten im Internet veröffentlicht. Die Voest und viele andere Unternehmen, die an der Wiener Börse notieren, machen das nicht.

Struzl selbst gab nach der Aufsichtsratssitzung keine Erklärung ab. Heikel ist die Debatte um die Voest-Spitze vor allem deshalb, weil Anfang September der Startschuss zur Privatisierung des Stahlkonzerns erfolgen soll.(Michael Bachner, Der Standard, Printausgabe, 09.08.2003)

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    Was ihn nicht umbringt macht ihn nur härter: Struzl hat vorerst die schlimmste Krise überstanden

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