Vertriebene VW-Besetzer errichteten neues Lager

31. August 2003, 10:40
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Obdachlose campieren nun vor Rathaus - "Bewachung" durch Polizei - Sorge um tausende Kinder

Rio de Janeiro - Viele der aus einem Volkswagen-Gelände in Brasilien vertriebenen Obdachlosen haben nun ein Lager vor dem Rathaus von Sao Bernardo im Bundesstaat Sao Paulo errichtet. Wie Fernsehsender am Freitag berichteten, verbrachten Dutzende von Familien die Nacht in Plastikzelten oder unter freiem Himmel auf Matratzen auf dem Platz vor dem Rathausgebäude. Die Polizei habe die Obdachlosen "aus der Nähe bewacht", hieß es.

Die rund 4000 Obdachlosen-Familien, die das seit Jahren brach liegende Grundstück von VW seit dem 19. Juli besetzt hielten, waren am Donnerstag nach einem Ultimatum der Behörden unter Androhung einer Räumungsaktion der Polizei freiwillig abgezogen. "Wir konnten keine Zusammenstöße riskieren, wir hatten tausende kleiner Kinder dabei", sagte eine Sprecherin der "Bewegung der Obdachlosen Arbeiter" (MTST).

Unterstützung des Präsidenten

Im Konflikt um die Besetzung des VW-Geländes hatten die Obdachlosen in den vergangenen Tagen Unterstützung der Kirche, von angesehenen Soziologen, von Politikern der Regierung und zuletzt sogar von Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva bekommen. Ein Richter ordnete aber die Räumung an.

Die Zahl der Besetzungen durch landlose Bauern und Obdachlose hat sich seit Lulas Amtsantritt Anfang des Jahres verdoppelt. Statistiken zur Zahl der Obdachlosen in den Großstädten Brasiliens gibt es nicht. Die "Bewegung der Landlosen Bauern" (MST) vertritt nach eigenen Angaben vier Millionen Familien von Not leidenden Bauern. (APA/dpa)

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    Verbrannte Erde: Die Obdachlosen vernichten vor dem Verlassen des Geländes ihre notdürftigen Zelte

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    Gepanzerte Polizisten "räumen" zurückgelassenen Zelte der Obdachlosen

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