Mehr Graureiher-Abschüsse als Brutvögel

13. August 2003, 12:27
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Naturschutzbund kritisiert Entwurf der Landesregierung

Salzburg - Graureihern und Kormoranen soll es wieder "an den Kragen" oder anders ausgedrückt mit Schrotkugeln an Leib und Leben gehen. "Mit Abschusszahlen, die bei weitem über der festgestellten Anzahl an Brutvögeln im Land Salzburg liegen, wollen die Petrijünger über die Mithilfe der Weidmänner und -frauen den gefiederten 'Fischgenießern' im Jahr 2004 zu Leibe rücken", hieß es in einer Aussendung des Naturschutzbundes am Donnerstag.

So sieht es nach Angaben des Naturschutzbundes zumindest der aktuelle, in Begutachtung befindliche Entwurf eines Abschussplanes der Landesregierung vor:. Demnach sollen 119 Graureiher und 80 Kormorane im Jahr 2004 geschossen werden dürfen. Diese Zahl ist deutlich höher als überhaupt Brutvögel - beim Graureiher wurde der Brutbestand im Land Salzburg 2003 mit 48 Brutpaaren angegeben - vorhanden sind.

Nicht mit Vogelschutzrichtlinie konform

Der Naturschutzbund Salzburg betrachtet diesen Abschussplan als nicht mit der Vogelschutzrichtlinie der EU konform gehend, weil die Abschusszahlen das Maß der zur Zeit im Land Salzburg brütenden Graureiher überschreitet. Der Naturschutzbund verlangt die Durchführung gemeinsamer Brutvogelbestandserhebungen durch Ornithologen und Fischereiexperten und die Vergabe einer Studie an eine unabhängige Stelle - wie zum Beispiel die Universität Salzburg (Institut für Zoologie) - die über die ökologischen Zusammenhänge zwischen Fisch- und Vogelpopulationen (Graureiher, Kormoran) ein entsprechendes Know-how verfügt.

So soll eine möglichst objektive, außer Streit stehende Beurteilung der tatsächlichen Situation sowohl der Fischbestände als auch der Bestände an Graureihern und Kormoranen und deren Wechselbeziehungen erfolgen.

Wirksamkeit der Abschussmaßnahmen nicht gegeben

Derzeit sei offenbar nicht einmal die beabsichtigte Wirksamkeit der Abschussmaßnahmen gegeben. Denn trotz einer Zunahme der tatsächlich getätigten Abschüsse (2000: 58 Graureiher/30 Kormorane; 2001: 56 Graureiher/35 Kormorane; 2002: 62 Graureiher/ 38 Kormorane), habe die angebliche Schadenssumme im Jahr 2002 gegenüber dem Jahr 2000 um 8,1 Prozent und zu der des Jahres 2001 um 16,12 Prozent zugenommen.

In absoluten Zahlen ausgedrückt soll der Schaden durch Graureiher und Kormoran im Jahr 2002 nach Angaben des Landesfischereiverbandes ein Ausmaß von 280.708 Euro ausgemacht haben: "Eine Zahl die durchaus hinterfragungswürdig ist. Die bisherigen Abschüsse haben also die (angegebene) Schadenssumme nicht vermindert, also den Fischern nichts gebracht - nur dem Vogelbestand geschadet", so der Naturschutzbund. (APA)

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