Crash in Mazedonien: Sechs Monate bedingt für Wiener

8. August 2003, 15:10
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Drei Menschen starben - nach Verurteilung zu drei Jahren Haft in Mazedonien flüchtete Wiener nach Österreich und forderte Inlandsverfahren

Wien - Im Bezirksgericht Fünfhaus wurde am Donnerstag ein Wiener Kameramann wegen fahrlässiger Tötung zu sechs Monaten bedingter Haft verurteilt. Der 54-Jährige hatte am 12. Juni 1999 in Mazedonien, wo er für einen deutschen Sender über die Kosovo-Krise berichten sollte, einen folgenschweren Verkehrsunfall gebaut, bei dem drei Menschen starben. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Mann war 60 Kilometer vor der mazedonischen Hauptstadt Skopje auf einer gut ausgebauten Straße auf die Gegenfahrbahn geraten. Er krachte mit seinem Wohnmobil in zwei Kleinlaster. Der Wiener, selbst beträchtlich verletzt, landete nach einem kurzen Spitalaufenthalt im Gefängnis von Gevgelija, wo er sich mehrere Wochen auf drei Mal drei Meter mit einem zweiten Mann eine mit einem Plumpsklo ausgestattete Zelle teilte.

Zu drei Jahren Haft verurteilt

Am 30. Juli 1999 wurde der Wiener in Mazedonien vor Gericht gestellt und zu drei Jahren Haft verurteilt. Gegen Hinterlegung einer Kaution kam er in Freiheit, musste jedoch versprechen, das Land nicht zu verlassen. Der Kameramann wandte sich allerdings an eine international tätige Organisation, die ihm gegen Kosten von umgerechnet 1240.000 Euro zur Flucht verhalf.

Übernahme der Strafverfolgung gefordert

Zurück in Wien, schickte sein Anwalt Herbert Eichenseder der Staatsanwaltschaft Wien eine Sachverhaltsdarstellung und ersuchte um Übernahme der Strafverfolgung: Der Kameramann wollte sich einem fairen Verfahren stellen, um nicht bei zukünftigen Auslandsreisen Gefahr zu laufen, auf Ersuchen der mazedonischen Behörden wieder festgenommen zu werden.

Inlandsverfahren

Tatsächlich wurde ein so genanntes Inlandsverfahren in die Wege geleitet. In der heutigen Verhandlung stellte ein Verkehrstechniker als Unfallursache Übermüdung fest. Zu schnell bzw. alkoholisiert sei der Unfalllenker nicht gewesen, hieß es indem Gutachten. Vor allem die Selbststellung war bei der Strafbemessung mildernd. Der zuständige Bezirksanwalt gab dazu keine Erklärung ab, womit die Anklagebehörde drei Tage Zeit hat, gegen das Urteil ein Rechtsmittel einzulegen.

Sollte dieses in Rechtskraft erwachsen, würde dieses die mazedonische Gerichtsentscheidung zumindest im EU-Raum außer Kraft setzen.(APA)

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