Elektroroller

13. August 2003, 22:46
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+++PRO
von Karl Fluch

Sport und andere selbst verschuldete Freizeitblödheiten, die Schweiß verursachen, sind eine der hartnäckigsten Prüfungen der Menschheit. Ich sage nur: Widersteht! Ansonsten dräut zum Beispiel die Strafe des Northern Walking! Diese Torheit ist ganz offensichtlich eine bösartige Erfindung für Menschen, die, nach einem Leben, das sie zu drei Viertel zwischen leckeren Stelzen, gerechtem Bier und stoischer Bewegungslosigkeit verbracht haben, plötzlich auf die Schnapsidee kommen, Sport betreiben zu müssen. Dann walken sie ehrgeizzerfressen und in unästhetisch anzusehenden Rudeln querfeldein durch die Gegend und wundern sich, dass sie, welche Ausschank sie auch passieren, auf lauter vor Lachen am Boden herumkugelnde Menschen treffen. Selber schuld.

Selbst jeder bislang zufrieden gewesene Bürosesselkaiser, der jahrelang mittels kulinarischer Errungenschaften wie der allseits beliebten Käseleberkäsesemmel seine Stattlichkeit gepflegt hat, nennt diese heute plötzlich abwertend "Schwimmreifen" oder "Fettpolster" und glaubt neuerdings, in seiner Freizeit laufen, biken, schwimmen, rollerbladen oder triathlonieren zu müssen. Ganz so, als gäbe es kein Fernsehen.

Als Mensch, der sein natürliches Recht auf Passivität, Nichtanstrengung und körperliche Ruhe sehr aktiv wahrnimmt, sind mir deshalb diese vor kurzem in Mode gekommenen elektronischen Sitzroller gerade recht. Erleichtern sie einem doch die vom Neoliberalismus diktierte Mühsal, sich im Alltag bewegen zu müssen. Ich meine, wenn ich schon auf die andere Straßenseite muss, dann will ich wenigsten gemütlich anreisen.

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CONTRA---
von Roman Freihsl

Manches passt einfach zusammen, wie Sonne und Mond. Das ist ruckzuck frei assoziiert: Auster? Perle. - Himmel? Blau. - Elektroroller? Boch'n! Tut Leid, aber so ist es nun einmal. Und dass das keine singuläre verächtliche Meinung ist, bestätigt spontan Kollege S.: "Stimmt. Elektroroller sind eigentlich so ziemlich das Unnötigste." Nicht Fisch und nicht Fleisch sind diese Dinger. "I' tät gern, aber i mog net", sind diejenigen, die auf ihnen unterwegs sind. Soll heißen: Ich wär' gern trendig, aber will net schwitzen. Bitte entscheidet euch: sportlich oder schnell und bequem. Wer fitnessbetont unterwegs sein will, strampelt auf dem Radl. Oder kickt auf dem Tretroller. Oder skatet. Soll alles sein. Wenn's aber gemütliches Flitzen sein soll, dann lieber gleich auf dem Moped. Oder setzt euch doch auf eine ordentliche Maschin', damit's so richtig brummt. Aber was in aller Welt soll dieses Durch-die-Stadt-Gesumme?

Die Tret-Roller mit Elektromotor sind übrigens noch schlimmer als die mit Strom betriebenen Radeln. Wir vermuten ja das Allerschlimmste: dass die E-Roller-Fahrer auf ihren stromfressenden Dingern meist in Richtung Fitnesscenter unterwegs sind. Wir sehen es richtig vor uns: Diese Leute summen dann an der Stätte des Körperkultes vor, steigen ab, fahren mit dem Lift hinauf - und setzen sich dann auf den Hometrainer. Um auf dem Standradl ein wenig Fett zu "burnen". Kurz: Elektroroller sind etwas für Warmduscher. Oder besser noch: Wer einen Elektroroller fährt, ist ein Beim-Warmduschen-Schwitzer. (Der Standard/rondo/8/8/2003)

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