Die Liebe kommt spät, aber sie kommt

13. August 2003, 14:10
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Studie: Die Mehrheit der Österreicher hat sich mittlerweile an den Euro gewöhnt - Doch ein "Riesenprozentsatz" schiebt den Teuro-Frust

Wien - 72 Prozent der Österreicher haben sich eineinhalb Jahre nach der Einführung des Euro als Bargeld an die europäische Gemeinschaftswährung gewöhnt. Dies ergab eine am heutigen Donnerstag in Wien präsentierte Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE). Ein "Riesenprozentsatz" der Österreicher meint aber, dass durch den Euro vieles teurer geworden sei, sagte ÖGfE-Vizepräsident Heinz Kienzl bei einer Pressekonferenz. Dies stehe in einem "krassen Gegensatz" zu den "wissenschaftlich erarbeiteten Tatsachen", verwies der ehemalige Direktor der Oesterreichischen Nationalbank auf den Verbraucherpreisindex.

Langsame Gewöhnung

21 Prozent der Befragten gaben im Juli an, sich ganz an den Euro gewöhnt zu haben. Bei einer ÖGfE-Umfrage im Jänner waren es erst 16 Prozent gewesen. 51 Prozent (Jänner: 54 Prozent) sagten, sie hätten sich "ziemlich" an den Euro gewöhnt. Gleich geblieben sind die Anteile jener, die sich noch nicht recht (22 Prozent) oder gar nicht (sieben Prozent) an den Euro gewöhnt haben.

Kienzl wies darauf hin, dass der Gewöhnungsprozess an den Euro "langsam" sei, "aber er geht offenkundig weiter". Aus eigener Erfahrung wisse er, dass noch im Jahr 1928 - sechs Jahre nach deren Abschaffung als österreichische Währung - die Krone "in den Köpfen vorhanden" gewesen sei. Besonders gut gewöhnt an den Euro haben sich Personen im Alter von 26 bis 35 Jahren (81 Prozent), den niedrigsten Wert wiesen über 66-Jährige (62 Prozent) auf.

Ungebrochener Frust

Ungebrochen ist der Frust der Österreicher über den "Teuro". 76 Prozent der Befragten gaben im Juli an, dass nach der Einführung des Euro viele Waren und Dienstleistungen teurer geworden seien. Im Jänner waren es noch 70 Prozent gewesen. Lediglich fünf Prozent (Jänner: drei Prozent) meinten, es habe fast keine Preiserhöhungen gegeben.

Kienzl führte dieses Ergebnis auf eine "klassische selektive Wahrnehmung" zurück. Es stimme zwar, dass die Preise in der Gastronomie gestiegen sind, dafür seien elektronische Geräte billiger geworden. "Wenn mir dann jemand sagt, er kaufe sich keinen Computer, antworte ich: Was ist mit Ihrem Handy?" Tatsächlich sei die Inflationsrate nach der Einführung des Euro als Bargeld sogar zurückgegangen (von 2,7 Prozent im Jahr 2001 auf 1,8 Prozent im Jahr 2002) und eine Erhebung bei den großen Einzelhandelsketten Spar und Billa habe sogar eine Verringerung der Preise ergeben.

Schweizer sind bereit

Die Bekämpfung der Inflation ist den Österreichern offenbar sehr wichtig. 79 Prozent gaben bei der Umfrage an, es sei ihnen wichtig, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Inflation möglichst niedrig halte.

Die ÖGfE präsentierte auch das Ergebnis einer in der Schweiz durchgeführten Umfrage zum Euro. 49 Prozent der Schweizer sind demnach bereit, nach einem etwaigen EU-Beitritt den Euro als Landeswährung zu akzeptieren, 37 Prozent sprachen sich dagegen aus. Nicht verzichten wollen die Schweizer aber auf ihre gut ausgebauten Mitentscheidungsrechte (Volksbegehren und Volksabstimmungen). Eine Einschränkung der Volksrechte würden nur acht Prozent der Befragten akzeptieren, 70 Prozent nicht.

Die ÖGfE-Umfrage wurde im Juli von der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft (SWS) telefonisch an 1.004 Österreichern durchgeführt. Die Umfrage zur Schweiz wurde vom GfS-Forschungsinstitut Politik und Staat durchgeführt. Befragt wurden 942 Personen. (APA)

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    Dieses Kind ist glücklich mit seinem Euro. Andere eher weniger.

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