Gericht: Wolfgang Schwarz müsste ins Gefängnis

8. August 2003, 20:39
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Olympiasieger wartete Urteilsbestätigung eineinhalb Jahre Haft wegen Menschenhandels gar nicht mehr ab - von Daniel Glattauer

Wien - Für den Europameister im Eiskunstlauf 1968 war die Berufungsverhandlung nur noch ein Kurzprogramm. Wolfgang Schwarz wartete die Bestätigung des Urteils erster Instanz, eineinhalb Jahre Haft wegen Menschenhandels, gar nicht mehr ab. Nach seinem Schlusswort verließ er, notdürftig getarnt mit einem Strohhut, Sonnenbrillen und einer seriösen Tageszeitung vor den Augen, den Saal. "Er hat's mit den Nerven", entschuldigt ihn sein Verteidiger.

Hautkrebs erspart wahrscheinlich Gefängnisstrafe

Schwarz wird die Gefängnisstrafe wahrscheinlich erspart bleiben. Er leidet an Hautkrebs, seine Therapie wird ihn mindestens bis Ende des Jahres haftuntauglich machen. "Die wirkliche Strafe verdanke ich aber den Herren hier hinter mir", sagt er dem Richtersenat. Er meint die Journalisten. - "Ich habe meine Existenz durch die Medien verloren." (Man würde wünschen, dass alle Menschen, die ihre Existenz verloren haben, noch ein Wiener Kaffeerestaurant betreiben könnten wie Wolfgang Schwarz.)

Verurteilung wegen Menschenhandels

Die gerichtliche Verurteilung wegen Menschenhandels kann er nicht nachvollziehen. "Es was nix Böses, ich hab' keine schlechten Absichten gehabt." Er habe jenen fünf Frauen aus Litauen und Russland, die als Prostituierte im Westen arbeiten wollten, "nur geholfen, wie ich einer Hausfrau, einer Putzfrau und einer Klavierspielerin helfen würde". Er sei ihm zwar jetzt bewusst, dass er da offensichtlich gegen ein Gesetz verstoßen hat, aber diesen Paragrafen, "der wirklich nicht so up to date ist", habe er eben leider nicht gekannt.

Kriminelle Energie

Der Richter spricht in der Urteilsbegründung von einem "ausbeuterischen Verhalten" und "massiver krimineller Energie" des ehemaligen Eiskunstläufers. Mindestens zwei Prostituierten habe er einen Großteil der Einnahmen abgeknöpft. "Er ist jedenfalls nicht der lautere Mensch, der Wohltäter, als der er sich dargestellt hat", sagt der Vorsitzende des Berufungssenats. Bei einem Strafrahmen von ein bis zehn Jahren sei die Sanktion in Anbetracht des blühenden Mädchenhandels aus dem Osten "moderat". (Daniel Glattauer, DER STANDARD Printausgabe 8.9.2003)

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