Serbischer Politiker Micunovic kehrt in Demokratische Partei zurück

7. August 2003, 16:08
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Nach Übernahme der Parteiführung durch Djindjic hatte Parlamentspräsident eigene Partei gegründet

Belgrad - Der erste Chef der serbische Demokratischen Partei, Dragoljub Micunovic, der seit Mitte der neunziger Jahren das kleine Demokratische Zentrum leitet, dürfte in seine frühere Partei zurückkehren. Micunovic hatte zwischen 1990 und 1993 die Demokratische Partei geleitet und sich von ihr getrennt, nachdem sein einstiger Schützling Zoran Djindjic das Parteiruder übernommen hatte. Micunovic gründete danach eine neue Partei, das Demokratische Zentrum.

In Belgrad kursieren bereits Gerüchte, dass Micunovic demnächst erneut die Führung seiner einstigen Partei übernehmen dürfte. Gegenüber der Tageszeitung "Blic" hat der Parlamentspräsident Serbien-Montenegros am Donnerstag bestätigt, dass Gespräche über eine "stärkere Annäherung" der zwei politischen Parteien im Gange seien.

Führungskrise

Die Demokratische Partei ist seit der Ermordung des ehemaligen Ministerpräsidenten Djindjic mit der Führungskrise konfrontiert. Als amtierender Parteichef fungiert zwar der Regierungschef Zoran Zivkovic, er hat aber offenbar nicht die notwendige Unterstützung der Parteifreunde für die Übernahme des Führungsamtes.

Andererseits waren in den letzten Jahren in der Partei zwei Flügel entstanden. An der Spitze des reformorientierten Flügels stehen Zivkovic und Verteidigungsminister Boris Tadic. Zum pragmatischeren Parteiflügel gehören vorwiegend Geschäftsleute mit einst guten Kontakten zu Strukturen des Milosevic-Regimes. Als Führungsfigur dieses finanziell starken Parteiflügels fungiert der heutige Vizepremier Cedomir Jovanovic.

Soll Micunovic tatsächlich das Führungsamt in der Demokratischen Partei erneut übernehmen, so dürfte der reformorientierte Parteiflügel die Oberhand gewinnen. Dass dies zu Erschütterungen in den Parteireihen führen dürfte, wird jedoch nicht erwartet. (APA)

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