KlangBogen mit Tonartwechsel

12. August 2003, 19:35
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Indendant Roland Geyer will ehebaldigst "zu neuen Ufern" nach Graz wechseln

Wien - Die drei Musiktheater-Premieren des noch bis 19. August laufenden KlangBogens sind vorbei; Wiens Musikintendant Roland Geyer (50) gibt sich in einem APA-Gespräch erschöpft, aber glücklich. "Wir haben heuer den absoluten Plafond erreicht. Alle drei Produktionen sind in den Medien zwischen sehr gut und euphorisch, zwischen erfolgreich und Weltklasse qualifiziert worden."

Bei der Auslastung rechnet Geyer allerdings mit einem leichten Rückgang auf knapp unter 95 Prozent: "Das Kulturpublikum aus den USA, aus Japan und Osteuropa, das sonst an die Abendkasse kam, ist heuer auf Grund einer Terminflaute ausgeblieben."

Pokern mit Wien und Graz

Geyers ursprünglich bis 2004 laufender Vertrag als Intendant von KlangBogen und OsterKlang hat sich in den vergangenen Wochen automatisch bis 2006 verlängert. Doch die Grazer Stadtväter möchten ihn nach erfolgter Umstrukturierung der Bühnen Graz ab September 2004 als Geschäftsführer der neuen Opern-Gesellschaft verpflichten. "Es werden demnächst Verhandlungen stattfinden", bestätigt Geyer, der mit einem Abschluss der Gespräche bis Ende September rechnet. Bis dahin möchte er zu möglichen Grazer Plänen inhaltlich keine Stellungnahme abgeben, macht aber keinen Hehl daraus, dass ihn ein Wechsel reizen würde.

Das liegt auch am Erfolg seiner Tätigkeit in Wien, wo der studierte Wirtschaftsmathematiker und Sportwissenschafter zunächst Geschäftsführer der Jeunesse Musicale war, ehe er 1996 das musikalische Sommerfestival der Hauptstadt übernahm, es ausbaute und klar konturierte sowie um den OsterKlang erweiterte. "Irgendwann kommt eine Sache zu ihrem Ende. Nach acht bis zehn Jahren ist eine Intendanz ausgereift und ausgereizt. Da muss man etwas Neues machen und denkt sich: Auf zu neuen Ufern!"

Falls die Verhandlungen mit Graz, wo man auch über ein Werkvertrag für die Zeit vor einem "offiziellen" Antritt nachdenkt, positiv abgeschlossen werden, rechnet Geyer damit, dass Wiens Politiker ihn ziehen lassen: "Es gibt mit dem Bürgermeister und dem Kulturstadtrat ein ausgezeichnetes berufliches und persönliches kommunikatives Verhältnis."

Junktimierung mit Theater an der Wien

Geyer würde im Fall eines Wechsels sein Feld allerdings gut bestellt hinterlassen: "Man kann davon ausgehen, dass ich bis spätestens Sommer 2004 die Festivals bis inklusive Sommer 2006 fertig geplant haben werde. Die Zäsur ist hier mit Ende 2006 angedacht." Dann stünde eine Weichenstellung an: "Ab 2007 hängt die Zukunft des KlangBogens inhaltlich, strukturell, ja existenziell von der Entscheidung über die Zukunft des Theaters an der Wien ab."

Schließlich wäre dieses Haus der zentrale Ort des KlangBogens und in der "Bandbreite der Möglichkeiten" wäre es logisch, dass "die wesentlichen Eckpfeiler des Klangbogen-Konzeptes dann auch unterm Jahr verwendet werden". Der Verlust der heute einzigartige Position des Festivals mache dann unter Umständen neue, innovative Ideen für Juli und August notwendig. "Zu sagen, man darf dort nur noch Mozart spielen, wäre das Leichteste. Das wäre zwar ein effektvolles Konzept, aber es sollte doch etwas mehr sein..."

Darüber, meint Geyer, werde er sich aber nicht mehr den Kopf zerbrechen. Bis 2006 hat er jedoch für Wien noch einiges vor. Im kommenden Jahr freut er sich besonders auf die "Goya"-Produktion mit Weltstar Placido Domingo, 2005 werde es wieder eine Operette im Theater an der Wien geben und 2006 wird er, der "immer versucht hat, die Top 50 der Opern zu vermeiden", in Wien "zum ersten und einzigen Mal eine der zehn Top-Opern" produzieren: Mit Koproduktionspartner Kopenhagen wird er den "Don Giovanni" im Theater an der Wien herausbringen. Zusammen mit der szenischen Umsetzung von "Die Schuldigkeit des ersten Gebotes" (KV 35) unter Harnoncourt beim OsterKlang 2006 wird das sein Beitrag zum Mozartjahr werden. (APA)

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