Billigflieger gehen in Asien an den Start

13. August 2003, 09:43
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Frühstarter Air Asia mit Profit von 4,7 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr - Singapore Airlines-Ex-Topmanager ließ Fluglinie ValuAir als Unternehmen registrieren

Singapur - Tony Fernandes hält sich für nichts geringeres als einen Pionier. "Wir hatten einen großartigen Start, wir waren konzentriert und sehr diszipliniert, und wir haben viele Dinge anders gemacht", sagt der Chef der malaysischen Billigfluggesellschaft Air Asia. Erst vor rund 18 Monaten stellte Fernandes sein "no frills"- (ohne Schnickschnack) Konzept vor. Für das vergangene Geschäftsjahr, das am 30. Juni zu Ende ging, präsentierte er einen Profit von 20 Mio. Ringgit (4,7 Mio Euro).

Vielerorts in Asien schielt man nach Europa und in die USA, wo Billigflieger wie die irische Ryanair Erfolge feiern. Und es deutet einiges darauf hin, dass ihre Zahl angesichts der Branchen-Dauerkrise auch in Fernost demnächst deutlich zunimmt.

Singapore Airlines

So wird etwa in Singapur eifrig an Plänen getüftelt. Der frühere Singapore-Airlines-Topmanager Lim Chin Beng ließ bereits seine Fluglinie ValuAir als Unternehmen registrieren. Ob aber tatsächlich jemals eine Maschine mit dem Namenszug abhebt, soll eine Studie klären, deren Ergebnis in weniger als sechs Monaten erwartet wird. Aufgeschreckt von der Entwicklung setzte Lims früherer Arbeitgeber selbst eine Arbeitsgruppe ein, welche die Gründung eines Billigfliegers unter dem Dach von Singapore Airlines erörtern soll.

"Sie überprüfen ihre Strategie", sagte Seah Hiang Hong, Luftverkehrsexperte bei Kim Eng Securities. "Der Markt hat sich ziemlich verändert." Bei Singapore Airlines (SIA), einst eine der profitabelsten Fluggesellschaften und zu 56 Prozent in Staatsbesitz, gibt man sich kampffreudig. Das Unternehmen habe nie eine Auseinandersetzung gescheut, sagt der pensionierte Vorstandschef Cheong Choong Kong. Man werde nicht zögern, bei einer Bedrohung im eigenen Revier eine "schnellen Antwort" parat zu haben. Eine Entscheidung soll ebenfalls bis zum Ende des Jahres fallen.

Billig-Erfolge auch in Australien

Dass das Fliegen ohne Schnickschnack auch durchaus jenseits der USA und Europas ankommt, beweist seit drei Jahren in Australien Virgin Blue, ein Kind des umtriebigen Richard Branson. Die Fluglinie hält inzwischen 25 Prozent Marktanteil beim Inlandflugverkehr. Für einen Platz in einer Maschine von Sydney nach Canberra werden 59 Australische Dollar (34 Euro) berechnet, etwa so viel, wie für Benzinkosten auf der Strecke anfallen würde. Marktführer Qantas gründete in der Konsequenz mit Australian Airlines seinen eigenen no-frills-Ableger, der im September an den Start gehen soll.

Selbst in Indien steht mit Deccan Aviation ein neuer Billiganbieter unmittelbar vor dem Abheben. Gegründet von früheren Mitgliedern der indischen Luftwaffe, sollen vom 15. August an jeden Tag 50 Flüge vor allem in bislang weniger gut angebundene Gegenden im Süden des riesigen Landes gehen. Die Ticketpreise liegen nur wenig über denen für eine Zugfahrkarte für die gleiche Route. Das Ziel gibt Deccan mit 60 000 Passagieren pro Monat an.

Für seine Air Asia brütet Tony Fernandes schon neue Ideen aus. Während die Fluglinie, die ihre Passagiere häufig billiger als ein Bus ans Ziel bringt, bislang nur den malaysischen Markt bediente, peilt der Unternehmenschef nun auch Flüge in andere Länder der Region an. Landerechte in Thailand, Indonesien und auf den Philippinen habe man sich bereits gesichert. "Wir hatten im Inland eine Menge Zuwachs, also drängt uns nichts zur Eile", sagt Fernandes. "Aber wir hatten immer schon diese Pläne, und es ist allenfalls eine Frage der Zeit, bis Air Asia auch außerhalb Malaysias operiert."(AUA)

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