Protest-Kundgebung gegen Handystrahlung auf Wiener Gemeindebauten

7. August 2003, 11:36
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Vorwurf der Grenzwertüberschreitung wird vom Wohnbau-Ressort zurückgewiesen

Rund 30 Aktivisten der Umweltschutzorganisation Global 2000 sowie der Bügerinitiative "SOS Mobilunk" haben am Donnerstag vor dem Büro des Wiener Wohnbaustadtrats Werner Faymann (S) in der Bartensteingasse unweit des Rathauses demonstriert. Sie protestierten gegen ihrer Ansicht nach überhöhte Strahlenwerte von Handymasten auf Wiener Gemeindebauten. Ein Sprecher Faymanns wies die Vorwürfe auf APA-Anfrage zurück.

"Weit unter den Werten der WHO"

Der von der Stadt Wien vorgegebene Vorsorgewert für die Abstrahlung der Sendemasten liegt bei zehn Milliwatt pro Quadratmeter - und damit weit niedriger, als von der Weltgesundheitsorganisation WHO vorgegeben. Seit dem Jahr 2000 werden neue Anlagen nur noch dann bewilligt, wenn sie diese Leistungsgrenze nicht überschreiten, heißt es im Stadtratsbüro.

Die Demonstanten zweifeln jedoch an der Einhaltung: Eine Kontrollmessung des TÜV in Wien-Brigittenau hat nach Angaben der Bürgerinitiative eine 40-fache Überschreitung ergeben. SOS Mobilfunk geht davon aus, dass dies für gut die Hälfte der rund 600 Gemeindebau-Masten in der Bundeshauptstadt gilt. "Achtung Handystrahlung: Wiener Wohnen über dem Grenzwert", hieß es dann auch auf einem Transparent der Demonstranten.

"Ein PR-Gag"

"In Wirklichkeit ist dieser Grenzwert ein PR-Gag von Faymann", ärgerte sich Heinz Högelsberger von Global 2000. Ähnlich Maria Bucher von "SOS Mobilfunk": Die Mobilfunk-Betreiber fühlten sich nicht zur Einhaltung verpflichtet. Von der Stadt gebe bei bei Überschreitungen keine Konsequenzen, und bei älteren Anlagen müsste sich selbst bei späteren Umbauten niemand daran halten.

"Zehn Milliwatt muss für alle gelten und auch durchgesetzt werden können - bis zum Rückbau der Anlagen", so die Forderung Buchers. "Volle Unterstützung" gab es dafür vom Grünen Gemeinderat und Umweltsprecher Rüdiger Maresch, der ebenfalls unter den Demonstranten zu finden war.

Proteste "ein bisschen skurril"

Im Stadtratsbüro gab man sich über die Proteste verärgert. "Ich finde es ein bisschen skurril, wenn hier demonstriert wird, wo sich die Politik verpflichtet hat, den Elektrosmog möglichst gering zu halten", so der Faymann-Sprecher. Der Vorsorgewert für Wiens Gemeindebauten sei um ein vielfaches niedriger, als der österreichweit gültige, im Telekommunikationsgesetz festgelegte Grenzwert von 9.000 Milliwatt bei der 1.800-MHz-Handy-Frequenz. Statt vor dem Büro des Wohnbaustadtrats sollte Global 2000 also besser vor dem Infrastrukturministerium demonstrieren, meinte der Sprecher des Stadtrats.(APA)

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