Run auf insolvente Augarten Porzellan

11. August 2003, 16:40
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36 schriftliche Interessenbekundungen liegen vor, 15 haben bereits Einsicht in die Bücher der Manufaktur vereinbart

Wien - Die Zahl der Interessenten für die insolvente Porzellanmanufaktur Augarten hat sich in den vergangenen zwei Wochen noch einmal fast verdoppelt. Mittlerweile liegen insgesamt 36 "schriftliche Interessenbekundungen" bei Masseverwalter Johannes Jaksch. Er geht davon aus, dass der Run auf Augarten noch nicht zu Ende ist und sich die Zahl der Interessenten auf rund 40 erhöhen wird, so Jaksch. 15 der potenziellen Käufer der Traditionsfirma hätten auch bereits Termine für eine Einsicht in die Bücher vereinbart.

Laut Jaksch sind "alle darunter, die je in einer Zeitung genannt wurden". Der Großteil der Interessenten stamme aus Österreich, fünf bis sechs aus dem Ausland, darunter etwa ehemalige Europa-Manager.

Ausschreibungsunterlagen

Beim Gläubigerausschuss am 18. August will der Masseverwalter seine Ausschreibungsunterlagen vorlegen. Zwei Varianten sind vorgesehen: Zum einen eine Übernahme der wesentlichen Vermögenswerte (asset deal), zum anderen die Übernahme der Unternehmensanteile verbunden mit einer Garantie für die Erfüllung der Zwangsausgleichsquote von 20 Prozent.

Bis 16. September können Angebote abgegeben werden. Aus den drei Bestbietern soll am 24. September in einer Art Auktion der künftige Augarten-Eigentümer ermittelt werden.

Die Kreditforderungen der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) will Jaksch wie bereits angekündigt bestreiten. Es gebe gesetzliche Bestimmungen für den Eigenkapitalersatz, betonte der Masseverwalter. Er betrachtet die Forderungen jedenfalls als eigenkapitalersetzendes Darlehen und nicht als Kredit.

Eigentümerwechsel

Die BA-CA hat bis dato ihre Forderungen - laut Medienberichten rund 5 Mio. Euro von insgesamt rund 7,8 Mio. Euro Passiva - nicht angemeldet. Die Frist läuft erst Ende September ab. Eine Sprecherin der BA-CA hat jedoch angekündigt, dass man die Forderungen im Konkursverfahren notfalls auch gerichtlich durchsetzen wolle. Die Bank hat ihre Industriebeteiligungen, darunter auch ihre 82 Prozent an dem Wiener Luxusporzellan-Hersteller, im Jahr 2000 in die B&C-Stiftung eingebracht.

Als Indiz, dass es dabei tatsächlich zu einem Eigentümerwechsel gekommen ist, wird die Mieterhöhung durch die Republik Österreich im Schloss Augarten auf das Achtfache ins Treffen geführt. Damalige Begründung: Eigentümerwechsel. Daher werde man auf die Kreditforderungen bestehen, heißt es aus der BA-CA.

In den ersten 16 Werktagen nach Konkursanmeldung am 16. Juli 2003 stieg der Umsatz auf 1,1 Mio. Euro drei Mal so hoch aus wie prognostiziert. Jaksch führt das auf Ergänzungs- und Vorratskäufe von Augarten-Sammlern zurück.(APA)

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