Pressestimmen: "Keine öffentlichen Freudenszenen"

8. August 2003, 11:54
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Getrübte Friedensaussichten im Nahen Osten

Paris/London/Frankfurt/Turin/Kopenhagen - Die neuerlich getrübten Friedensaussichten im Nahen Osten und das israelische Festhalten am Sicherheitszaun werden am Donnerstag von mehreren europäischen Zeitungen kommentiert.

"Le Figaro" (Paris):

"Hamas und Dschihad, deren Ideologie Israel jede Legitimität abstreiten, sehen in der gegenwärtigen Feuerpause lediglich eine Atempause. Arafat hofft, dass ein Scheitern seines langjährigen Freundes Abbas ihm seinen Einfluss zurückgeben wird. Schließlich weiß Bush jetzt schon, dass er von Jänner an auf jeden Druck auf Israel verzichten muss, weil dann sein Wahlkampf beginnt. Um den israelisch-palästinensischen Konflikt zu beenden, wird man eines Tages die Frage beantworten müssen, die (die frühere britische Regierungschefin) Margaret Thatcher ihren Beratern stellte: 'Sagen Sie mir nicht was. Sagen Sie mir wie'."

"The Independent" (London):

"Der Aufbau von Vertrauen im Rahmen des Friedensfahrplans erfordert ein gewisses Vertrauen der beteiligten Seiten bereits von Beginn an, und das ist im Moment so gut wie nicht vorhanden. Fortschritte in einem Friedensprozess wie den im Nahen Osten anvisierten zu erzielen kann mit Fahrradfahren verglichen werden: Je schneller es voran geht, desto stabiler wird es. Der Fortschritt ist qualvoll und gefährlich langsam. Wie immer müssen die Amerikaner die Dinge ein wenig dringlicher vorantreiben."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung":

"Nach Jahren der Gewalt muss man die gegenwärtigen Trippelschritte auf dem Weg zur Verwirklichung der Roadmap als den sprichwörtlichen Silberstreif am Horizont beschreiben. Jeden Tag ist freilich ein Rückschlag möglich, können jüdische oder palästinensische agents provocateurs alle Anstrengungen der letzten Zeit zunichte machen. Die Sache stünde wahrscheinlich schon wieder schlimmer, wenn die Amerikaner nicht stetigen Druck auf beide Seiten ausübten. Leider hat Washington sein Engagement gegen den 'Sicherheitszaun', dessen Weiterbau endgültig palästinensische Reservate erzeugen und in den Köpfen beider Völker die Trennung ebenso dauerhaft zementieren würde, etwas zurückgenommen."

"La Stampa" (Turin):

"Es gab keine öffentlichen Freudenszenen im Westjordanland und in Gaza, als die 334 Palästinenser, die gerade aus Gefängnissen freigelassen worden waren, aus den israelischen Bussen stiegen. Die palästinensischen Führer werteten die Geste lediglich als ein simples Mittel der Öffentlichkeitsarbeit und haben daher ihrer Bevölkerung angeordnet, vor den von Israel herbeigeschafften Kameras der internationalen Fernsehgesellschaften keinen Jubel zu zeigen. Nach Einschätzung der politischen Führer in Israel ist es nun an der Regierung Abbas, die eigenen Verpflichtungen zur Verwirklichung des Friedensfahrplans unter Beweis zu stellen. Aber bisher scheint Mahmud Abbas eher geneigt, die Gemüter der palästinensischen Fundamentalisten zu beruhigen."(APA/dpa)

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