UN: "Taylor soll gehen"

8. August 2003, 17:51
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Ecowas: "Erwarten heute Rücktrittserklärung"

Abuja/New York - Die Vereinten Nationen haben den liberianischen Präsidenten Charles Taylor zum Verlassen des vom Bürgerkrieg zerrütteten Landes aufgefordert. Jacques Paul Klein, der UN-Sondergesandte für Liberia, sagte, Taylor solle die Einladung Nigerias nutzen, so lange das Angebot bestehe.

Taylor hat den Gang ins Exil aber an die Bedingungen geknüpft, dass ausreichend Friedenssoldaten in Liberia stationiert sein müssen und dass seine Anklage vor dem Kriegsverbrechertribunal für Sierra Leone fallen gelassen wird. Liberia stellte mittlerweile beim Internationalen Strafgerichtshof den Antrag, dass das Tribunal für Sierra Leone die Anklage zurücknimmt. Das Haager Gericht leitete den Antrag nach eigenen Angaben nach Sierra Leone weiter. Klein erklärte dazu: "Der Haftbefehl wird keinesfalls zurückgenommen und den Gerichtshof wird es einige Jahre lang geben."

Klein rief außerdem zu Spenden auf für die Not leidende Bevölkerung auf. Der Westen solle nicht vergessen, dass Liberia Afrikas älteste Demokratie und einer der entscheidenden Verbündeten der Alliierten beim Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg gewesen sei. Taylors Rücktrittserklärung erwartet

Die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas) erwartet heute die offizielle Rücktrittserklärung des umstrittenen liberianischen Präsidenten Charles Taylor. Seit Jahren führen Rebellen einen erbitterten Bürgerkrieg für seine Absetzung. "Es wird morgen eine gemeinsame Sitzung des Senats und des Repräsentantenhauses geben", hatte der Ecowas-Vorsitzende Mohammed Ibn Chambas am Mittwoch erklärt. "Die Zeremonie dient dazu, dass Herr Taylor die Abgeordneten über seine Rücktrittsabsichten informieren kann. Dann findet am Montag die eigentlich Übergabe statt, die vom obersten Richter Liberias geleitet werden wird."

Taylor ist angeblich bereit, ein Asyl-Angebot Nigerias anzunehmen. Nigeria hatte auch am Montag die erste Vorhut von Friedenstruppen gestellt. Chambas zufolge sollen am Wochenende weitere Soldaten folgen, sowie zu einem noch nicht festgelegten Zeitpunkt Truppen aus Ghana, Mali und Senegal. Vor der liberianischen Küste liegen zudem drei US-Kriegsschiffe mit 2300 Marieninfanteristen. In Monrovia trafen am Mittwoch nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums ein Voraustrupp von Marineinfanteristen ein, der die logistische Unterstützung der Friedenstruppen vorbereiten soll. (APA/AP/Reuters)

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