Sahara-Geiseln: Salafisten-Führer Amari gilt als Schlüsselfigur

20. August 2003, 10:54
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"Mann ohne Gesicht", ein Ex-Offizier der algerischen Armee

Algier - Ein "Mann ohne Gesicht" ist zu einer der Hauptfiguren des Geiseldramas um die 14 in der Sahara verschleppten europäischen Urlauber geworden: Abderrezak Amari, ein Ex-Offizier der algerischen Armee, soll die Gruppe der Geiselnehmer im Grenzgebiet zwischen Algerien und Mali anführen. Er gilt als Nummer zwei in der Führung der Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC). Doch mehr wissen seine Gegner kaum über ihn. Bisher gibt es weder Fotos von dem Ex-Militär noch ein Phantombild. Sein Alter ist ebenso unbekannt wie sein Herkunftsort.

Die algerische Armee schweigt sich über den Abtrünnigen aus. Medienberichten zufolge war er Unteroffizier bei den Fallschirmjägern und desertierte aus Oasen-Fort Biskra, einem wichtigen Militärposten während der französischen Besetzung Algeriens. Jetzt hintertreibe Amari die Vermittlungsbemühungen zur Befreiung der Geiseln, hieß es in den vergangenen Tagen in Kreisen der Unterhändler.

Fahndungsplakate der Sicherheitskräfte zeigten den GSPC-Führer Hassan Hattab, nie jedoch Amari. Dabei gilt er als einer der engsten Vertrauten Hattabs. Als Amari sich dem damaligen Chef der Bewaffneten Islamischen Gruppe (GIA) in der Kabylei anschloss, bildete er mit rund einem Dutzend weiterer Deserteure die Leibgarde des "Emirs". Unter Hattab spaltete sich die GSPC 1998 von der GIA ab. Amari blieb an der Seite seines Chefs, wurde zu dessen rechter Hand und erhielt das Kommando über den Osten des Landes, begrenzt von den Regionen Tebessa, Annaba, Batna und Souk Ahras. Auch als der GSPC-Rat Hattab vor etwa zwei Jahren durch Widersacher Abdelmahjid Dichou ersetzen wollte, wich Amari nicht von seiner Seite. Dichou wurde kurz darauf von den eigenen Leuten aus dem Weg geräumt, weil er Gespräche mit der Regierung suchte.

Von den Medien wird Amari als hühnenhaft und unbeugsam beschrieben. Er rühme sich selbst eines ausgeprägten Gerechtigkeitssinns. Mit Vorliebe berufe er so genannte Tribunale ein, die über das Schicksal von Geiseln befänden. Im Kampf gegen die Armee setze er auf spektakuläre und medienwirksame Einsätze, deren blutigste er angeführt haben soll - so Anfang des Jahres, als bei Batna im Nordosten 49 Soldaten getötet wurden. Zumindest eine verwundbare Stelle soll Amari laut Presseberichten jedoch habe: Wegen schmerzhafter Hühneraugen könne er nur schlecht laufen und reite daher meist auf Eseln. (APA)

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