Todesstrafe für den "lachenden Bomber" auf Bali

8. August 2003, 21:58
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Vergangenes Jahr starben 202 Menschen bei dem Anschlag auf der Ferieninsel - Bali-Attentäter Amrozi geht in Berufung

Denpasar/Canberra/Manila - "Allahu Akbar!", rief der Verurteilte zweimal und reckte seine Faust hoch, als die Richter am Mittwoch das erste Todesurteil im Prozess gegen die Bali-Attentäter sprachen. Der 40-jährige Indonesier Amrozi - der "lachende Bomber", wie ihn die australische Presse nannte - blieb auch am Tag der Urteilsverkündung in Balis Hauptstadt Denpasar herausfordernd gegenüber den Hinterbliebenen der Anschlagsopfer und den Richtern.

Amrozi bin Nurhasyim sei des Terrorismus für schuldig befunden worden, verkündete Richter I Made Karna. Die Tat bezeichnete er als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und als außerhalb jeder religiösen Lehre stehend. Amrozi war nach Polizeiangaben nicht direkt an der Ausführung des Anschlags auf zwei Kneipen im Urlauberort Kuta auf Bali in der Nacht vom 12. Oktober 2002 beteiligt, bei dem 202 Menschen umkamen. Er besorgte aber einen Minibus und den Sprengstoff.

Hunderte Zuschauer, darunter mehrere Überlebende der Anschläge, brachen bei der Verkündung des Urteils in Jubel aus. "Wir sind so erleichtert, dass endlich eine Person die Todesstrafe bekommt, und hoffen, der Rest erhält sie so bald wie möglich", sagte die Australierin Natalie Juniardi, Mutter zweier Kinder, deren indonesischer Ehemann bei der Explosion im "Sari Klub" umgekommen war.

Auch Australiens Premierminister John Howard zeigte sich in einer ersten Reaktion eher zufrieden: "Ich hoffe, dieses Urteil gibt jenen etwas Trost, die ihre Nächsten in dieser Tragödie verloren haben, und sie haben das Gefühl, dass in irgendeiner Weise Gerechtigkeit geschehen ist." Etwa die Hälfte der Opfer der Bali-Anschläge waren australische Jugendliche.

Zweifel am Urteil

Britische Angehörige im Gerichtssaal zweifelten allerdings am Sinn der Todesstrafe und erklärten, sie würden über eine Berufung gegen das Urteil nachdenken. "Dies heizt den Fundamentalismus nur weiter an", sagte Susanna Miller, die ihren Bruder Dan bei den Anschlägen verlor. Amrozi werde nun zu einem "Märtyrer" gemacht. "Wir wollen ein Ende der Gewalt, wir brauchen nicht noch mehr Tote und Märtyrer", meinte sie.

Amrozi ist einer von rund drei Dutzend Personen, die wegen der Anschläge angeklagt wurden. Er hatte den gesamten Prozess scheinbar ohne Interesse verfolgt und sich zeitweise über die Beschreibung des Tathergangs und Aussagen von Zeugen lustig gemacht. Als er am Mittwoch den Gerichtssaal betrat, rief er: "Verbrennt die Juden!" Ob das Todesurteil vollstreckt würde, ist auch noch unklar. Bisher war dies in Indonesien nur selten der Fall.

Spur von Al-Ghozi

Im Süden der Philippinen haben Regierungssoldaten indes einen Begleiter des aus der Haft entflohenen Extremistenführers Fathur Rahman al-Ghozi erschossen. Abdulmukim Edris sei an einem Militärposten in der Südprovinz Lanao del Norte zusammen mit einem anderen Mann festgenommen worden, teilte die Armee am Mittwoch mit. Als die Männer während des Transports versucht hätten, den Soldaten Waffen zu entreißen, seien sie getötet worden.

Al-Ghozi war am 14. Juli aus einem streng bewachten Gefängnis in Manila geflüchtet. Er ist eines der ranghöchsten Jemaah-Islamiyah-Mitglieder, das bisher gefasst worden war. Seine Flucht hatte die Furcht vor neuen Anschlägen in der Region wachsen lassen.

Einspruch gegen Todesurteil

Amrozi bin Nurhasyim geht gegen das Urteil in Berufung. Der 41-Jährige habe eine entsprechende Ermächtigung für seine Anwälte unterschrieben, sagte sein Verteidiger Wirawan Adnan am Freitag der Nachrichtenagentur AFP in Jakarta. Ursprünglich hatte er erklärt, nicht in Berufung gehen, sondern als "Märtyrer sterben" zu wollen.(APA/Reuters/red/DER STANDARD,Printausgabe, 8.8.2003)

Zwei Tage nach dem Terroranschlag auf das Marriott-Hotel in Jakarta fällten Richter im Prozess gegen die Bali-Attentäter vom Oktober 2002 das erste Todesurteil. Die Reaktion der Angehörigen der Opfer war geteilt: Einige warnten, Amrozi werde so zum "Märtyrer".
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    "Lächelnder Bomber" Amrozi bin Nurhasyim

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